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Bernhard Aichner - Bösland

Ein perfides Spiel um Schuld


Bernhard Aichner beschreibt in seinem Roman "Bösland", dass ein kleiner Junge an seinem 10. Geburtstag 1984 seinen erhängten Vater auf dem Dachboden findet. Es ist sein verhasster Vater, der ihn immer dorthin ins Bösland zitierte und ihn aufs Schlimmste verprügelte, ob er nun etwas getan hatte oder nicht. Ben, der kleine Junge, ist fasziniert von seinem dort baumelnden Vater und - erleichtert, gar glücklich. Dann feiert er erst mal mit seinem Freund Kux, Sohn des angesehenen Dorfarztes, der gar nicht mit ihm, dem Sohn des Trinkers verkehren darf, seinen Geburtstag. Jetzt hat er ja einen doppelten Grund.

Als Ben 13 Jahre alt ist, wird er auf eben jenem Dachboden neben der Leiche eines Mädchens gefunden. Er ist blutbesudelt. Man nimmt ihn mit. Für ganz lange Zeit spricht er nicht. Er kommt in die Psychiatrie. Niemand besucht ihn. Irgendwie lebt er mit seiner Schuld, kann er sich doch an nichts erinnern. 

Noch nach 30 Jahren gräbt er mit fachlicher Hilfe in seiner Vergangenheit. Er sucht die Stätte seiner Kindheit auf und findet seinen Freund Kux wieder. Alles läuft seinen Gang, bis ein weiterer Mord geschieht!

Bernhard Aichner versteht es, seine Leser mitzunehmen. Ein Teil seiner Kapitel sind Dialoge. Durch die Kürze der Kapitel hält er die Spannung sehr hoch. Es ist schon schlimm, wie viel Bosheit in einem kleinen Jungen steckt und sich anschließend weiterentwickeln kann. 

Die Protagonisten sind sämtlich sehr gut beschrieben, ich kann mich in sie hineinversetzen. Andererseits muss ich mich schütteln vor der Abgebrühtheit mancher Menschen. Aber ich bin überzeugt, dass es genau solche gibt. 

Dieses Buch macht von Anfang an neugierig und wird immer spannender. Ein guter Roman ist hier gelungen. Ich freu mich auf den nächsten.

Das Buch erscheint im Verlag btb/Random House.

Peter Starck - KHA • DER ANFANG

Ein starkes Stück Steinzeit


Vor 33.000 Jahren: Der zehnjährige Kha folgt seiner älteren Freundin Oa, die davor flüchtet, dem hässlichen Schamanen zu dienen. Sie verlässt den Klan und Kha möchte seine heißgeliebte und vertraute Oa nicht ohne Schutz ziehen lassen. Sie ziehen hinaus in die unbekannte Welt, die viele Gefahren für die beiden bereit hält. Gott sei Dank ist Oa in vielen Dingen bewandert und kann sie erst mal vor Bösem beschützen und ernähren. Das soll sich ändern, bald schon treffen sie auf unbekannte Menschen, die ihnen nicht gut gesonnen sind.

Kha lernt viel auf seiner fünf Jahre dauernden Wanderschaft. Er lernt unterschiedliche sonderbare wie auch gefährliche Menschen kennen. Für ihn steht an erster Stelle das Überleben, an zweiter Stelle jedoch, in Höhlen zu malen. Durch das Malen können die Tiergötter um ihren Schutz angerufen werden. 

Seine Reise stärkt ihn, er kehrt nach Hause zurück und kann den Daheimgebliebenen, die nicht damit rechnen, dass er überlebt hat, viel berichten. Doch die größte Gefahr erwartet ihn noch.

Peter Starck hat einen tollen Roman geschrieben, als sei er selbst in der Steinzeit dabei gewesen. Besonders Oa hat mir gut gefallen, so eine kluge junge Frau, die jagen kann und weiß, wie man Sprachen lernt - soweit das mit den Fremden möglich ist. Kha wiederum hat von Oa gelernt.

Das Ende des Romans lässt hoffen, dass es ein weiteres Buch mit Kha geben wird. Mich würde das sehr freuen.

Peter Starck hat einen flüssigen Schreibstil. Ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen. Es gibt Spannungswellen: Ist mal wieder für einige Zeit Ruhe eingekehrt, wird es urplötzlich für die Protagonisten äußerst eng. Ich habe mit Oa und Kha gelitten und auf das Beste gehofft. - Mit dem Ende habe ich nicht rechnen können.

Peter Starck hat sich viele Gedanken über das Leben in der Steinzeit gemacht. Auch ich bin jetzt klüger als zuvor. Warum soll nicht alles so gewesen sein?

Das in 15 Kapitel unterteilte Buch mit 343 Seiten wurde im Verlag tredition veröffentlicht.

Verena Dahms - Deine Küsse schmecken wie frische Erdbeeren

Freiheit und Gleichheit - in den 20ern des letzten Jahrhunderts


Vorab, es handelt sich, trotz des Titels, nicht um eine seichte Liebesgeschichte! 

Amélie, Tochter aus dem Hause eines angesehenen Weinbauern in der Dordogne und seiner Frau, die aus einem der besten Häuser in Paris stammt, hat zwei Brüder. Der ältere der beiden ist Louis, ein musikalisch begabter junger Mann, der jedoch vom Vater nicht für voll genommen wird, ja eher noch gemieden. Der jüngere ist Benjamin, ein noch unfertiger Junge, mit dem "Maman" als einzigem nachsichtig umgeht.

Nach einem Besuch der Siedlung von Arbeiterhäusern, aus denen der Vater die ArbeiterInnen zur Weinlese rekrutiert, steht für sie fest: Sie wird Ärztin werden und als solche auf dem Land praktizieren.

Es gibt natürlich einen Riesenkampf mit ihren Eltern, vor allem mit ihrer Mutter, die besonders auf Etikette achtet und befürchtet, man werde auf die Familie herabsehen. Doch Amélie setzt sich durch und studiert.



Vor dem Hintergrund des Kampfes der Frauen für Gleichberechtigung, schildert uns Verena Dahms die Schwierigkeiten, die Frauen seinerzeit hatten, sich durchzusetzen. Amélie hat das Glück, aus dem Elternhaus herauszukommen, nicht heiraten und Kinderkriegen als Ziel haben zu müssen. Ihrem Bruder Louis, der die Musik über alles liebt, geht es leider anders; er darf seinen Neigungen nicht folgen, er soll das Weingut übernehmen. 

Natürlich kommt, wie es so sein muss und für uns alle ist, das "Leben dazwischen". Muss Amélie ihre Freiheiten aufgeben? - 

Natürlich hat Verena Dahms, eine tolle Autorin, die seit Jahren in der Dordogne wohnt, in diesem Roman die Liebe nicht vergessen. Deshalb hat die Autorin wohl diesen Titel gewählt, hinter dem man eigentlich einen Liebesroman vermutet. Aber weit gefehlt. Es ist schon eine Riesenanstrengung, die die Vorkämpferinnen für uns Frauen übernommen haben.

Es geht um die Emanzipation und Freiheit im Allgemeinen und im privaten Bereich - und wir sollten all den Frauen in allen Ländern danken, die seinerzeit  gegen die gesellschaftlichen Regeln verstießen und und für uns gekämpft haben.

Danke an Verena Dahms. Ein wunderbarer Roman ist jetzt ausgelesen. Ich freue mich auf den nächsten.

Das Cover wurde von Irene Repp kreiert. Das Buch wurde veröffentlicht im Verlag Tredition.

Marie Lacrosse - Das WEINGUT • In stürmischen Zeiten

Ein Dienstmädchen und der Sohn des Weingutes, kann das gutgehen?


Im Gebärhaus in Heidelberg wird ein Mädchen geboren und wächst in verschiedenen Waisenhäusern auf, bis es 1870 vom reichen Weinhändler Wilhelm Gebhardt in Speyer abgeholt wird, um in seinem Gutshaus in Weißenburg im Elsass als Dienstmädchen zu dienen. Er besteht darauf, dass es Irene sein muss, so habe seine Frau es einer Freundin versprochen. Den wahren Grund erfährt der werte Leser erst gegen Ende des Buches.

Im Weingut geht es Irene gut, so gut, wie es ihr bisher nie ging. Die Hausdame Frau Burger leitet sie gut an. Die Hausherrin Pauline scheint es auch gut mit ihr zu meinen und Irene fügt sich gut ins Haus ein. Sie teilt mit einem anderen Dienstmädchen die Kammer und freundet sich mit ihr an. Einzig die Tochter des Hauses Mathilde ist der Meinung, dass alles im Haus sich um sie selbst drehen muss und so kehrt sie auch immer ihren Stand gegenüber den Dienstboten unangemessen heraus. Sie ist äußerst missgünstig, insbesondere Irene gegenüber. Zur Familie gehört noch ein Sohn, Franz, der seine eigenen Ansichten hat und aus diesem Grunde häufig mit dem Vater aneinander gerät.

Es kommt, wie es kommen muss. Franz und Irene verlieben sich ineinander und Franz steht offen dafür ein, er will Irene heiraten. 

Seine Mutter Pauline ist gebürtige Französin, sein Vater Wilhelm Deutscher, weshalb Franz sich beim Deutsch-Französichen Krieg 1870/71 entscheiden muss, ob und auf welcher Seite er mitkämpft. 

Dieser Krieg ist gut recherchiert - zumindest glaube ich das, ich habe ihn ja auch nicht miterlebt -, aber besonders die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges: Hunger, Verletzungen, Tote, Verwüstungen.

Franz wird fernab der Heimat schwerverletzt, seine Mutter und seine Verlobte Irene ahnen nichts davon. Wilhelm und Mathilde konterkarieren fleissig gegen die beiden. Wilhelm schreckt aber auch vor gar nichts zurück. Man kann mit Irene und Pauline nur leiden, aber vor allem mit Franz. 

Marie Lacrosse hat die Charaktere der Protagonisten wunderbar herausgearbeitet. Manchmal habe ich die Wut bekommen, doch zwischendurch doch immer wieder an das Gute im Menschen glauben können. Der Roman ist aus der Sicht von Irene und Franz, aber auch über die Hergänge im Weingut geschrieben. Er endet genau da, wo wir neugierig sind, wie die Handlung im zweiten Teil weitergeht. Gott sei Dank ist im Anhang des Buches der Prolog des zweiten Teils dieser Familiensage. Das lässt hoffen. Leider kommt dieser erst im Frühjahr 2019 heraus. 

Das Cover zeigt ein Gutshouse, so wie ich mir ein Weingut vorstellen kann. Das Buch ist als Printausgabe, eBook und Audio-Book erhältlich, es wurde verlegt bei Goldmann-Verlag.

Ich danke dem Bloggerportal / Randomhouse für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplares.

Anna Neunsiegel - Goulard Saga II

Jetzt wird es aber spannend

Über die zweiten Episode der Goulard Saga kann man nicht viel sagen, ohne Handlung zu verraten, deshalb fällt die Rezension so knapp aus.

Die Schattenwesen, die offenbar durch ein Leck in unserer Welt aufgetaucht sind, können von einige Menschen gesehen werden, andere dagegen ängstigen und schwer verletzen. Zusätzlich sind sie bei wieder anderen an gefährlichen Krankheiten schuld. 

Eonie, das Mädchen auf der Rheininsel versucht dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Sie sucht im Internet und findet jemanden/etwas. ...

Thorsten sucht bei ihr Hilfe, aber dennoch ist er nicht zu durchschauben. Er wird verfolgt. 

Die "Goldene Hand" versucht, großen Einfluss zu nehmen, zur Not mit Gewalt.

Anna Neunsiegel hat sich mit diesem Teil der Goulard Saga selbst getoppt. 
Die Saga fesselt immer mehr, die Personen sind noch weiter ausgearbeitet. Ihre Ausdrucksweise beeindruckt und lässt uns das Buch nicht aus der Hand legen.

Ach ja, und ich habe übrigens erfahren, was Goulard ist. - Absolut empfehlenswert! 

Dana Brandt - Wenn der Wind seine Flügel erhebt

Eine besonders anmutende Liebesgeschichte zweier Menschen


Sie hat es wieder einmal geschafft. Dana Brandts Geschichte hat mich ganz in ihren Bann gezogen. Diesmal hat sie einen Gay-Romance-Roman geschrieben. 

Elias, einem jungen Gärtner mit Asperger Syndrom, fällt im wahrsten Sinne des Wortes ein Mann ins Beet vor die Füße. Bevor er dies noch richtig verarbeiten kann, schaut dieser ihm in die Augen und gibt ihm einen Kuss.

Natürlich erwarten wir jetzt die große Liebe oder den One-Night-Stand. Doch es kommen Wirrungen auf beide zu. Denn Seamus, der Sen genannt wird, hat eine Vergangenheit, der er nicht entfliehen kann und Elias - na, das ist nicht so einfach, lest selbst. 

Die Autorin hat sich sehr mit dem Anderssein durch das Asperger Syndrom beschäftigt. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie jemandem kennt, der so ist wie Elias. Und sie weiß auch, wie sich solche Menschen fühlen und wie man ihnen nahe sein kann. 

Die Handlung wird überwiegend aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt. Es ist sehr realistisch, wie sie mit ihren Unsicherheiten umgehen. Zumindest glaube ich das, es macht den Reiz des Buches aus. 

Frau Brandt weist zu Anfang des Buches darauf hin, dass es nur von volljährigen Lesern gelesen werden sollte, die keinen Anstoss an sexuellen Handlungen zwischen Männern nehmen. Sie weist auch darauf hin, dass Erotik nur einen kleinen Anteil der Handlung ausmacht. Das kann ich bestätigen. 
Das ist nämlich nicht die Botschaft! 

Ich kann diesem Buch nur 5 Sterne geben. Dana Brandt hat nämlich eine einzigartige Art zu erzählen. Sie malt mit den Worten. Ich habe mich mitten in der Handlung wiedergefunden und sie ganz nah beobachtet.

Das Buch erschien im August 2018 im Weibsbilder-Verlag, die Umschlagsgestaltung hat sie wieder selbst übernommen.

Markus Theisen - Kreuzwege

Ein verzwickter Fall mit unvorhersehbarem Ausgang


Kommissar Weller ermittelt wieder in der Eifel. Ins streng katholische Dörfchen Beerenroth ist die protestantische Familie Bleck, Vater Joachim, Mutter Brigitte sowie Sohn Jakob aus beruflichen Gründen des Vater gezogen. Doch sie bekommen kein Bein auf die Erde. Der Sohn wird in der Schule gehänselt und geschlagen, mit der Mutter redet niemand bis auf eine Frau Babsi Schmitz, mit deren Tochter Henriette Jakob befreundet ist. Der Vater merkt durch die Arbeit wenig davon.

Am Morgen nach der Feldkircher Kirmes ist der zugezogene Joachim Bleck tot an einem Weg-Altar aufgefunden worden. Er hängt dort wie Jesus selbst gekreuzigt wurde, einzig, dass er mit Tauen festgemacht ist.

Weller stellt bei seinen Ermittlungen natürlich fest, dass die Familie Bleck, Vater, Mutter und Sohn Jakob in dem Dorf nicht gelitten wurden. Es ist einfach nicht zu glauben, wie verbohrt diese Dörfler sind. Aber es kann doch nicht nur an der Konfession liegen, dass ein Mensch getötet wird!? Seine Ermittlungen werden, wo es nur geht behindert. Dennoch wird bald ein Verdächtiger verhaftet.

Markus Theisen hat einen tollen Kriminalroman mit viel Lokalkolorit geschrieben, der immer spannender wird. Er hat aufgezeigt, was verbohrtes Kirchendenken verursachen kann. Letztendlich sind aber wir alle es selbst, die handeln. 

Da sollten wir uns ein Beispiel an Gott (Vorweg-wort) und am Pastor (während der gesamten Handlung und Hintendran) nehmen. Der Autor lässt seinen Kommissar 1976 ermitteln, doch ich bin überzeugt, auch heute gibt es noch so verbohrte Menschen und ganze Dörfer. Aber er hat dankenswerter Weise auch nicht den Humor dabei vergessen.

Markus Theisen hat einen lockeren Schreibstil und lässt uns bis zur Auflösung des Falls, bis ganz zum Schluss, auf dem Holzweg sein. Sollte mal bei uns in der Nähe eine Lesung stattfinden, bin ich mit Sicherheit dabei.

Das Cover zeigt ein Wegkreuz, passend zum Roman und macht schon mal neugierig. Veröffentlicht wurde das Buch bei smp / swb-verlag

Ernest van der Kwast - Die Eismacher

Die Geschichte des Eises aus der Sicht einer Eismacherfamilie


Die Familie Talamini lebt inmitten der malerischen Dolomiten. Der Ururgroßvater des Protagonisten Giovanni ist mit Freunden und Nachbarn 1891 auf die Idee gekommen, aus dem St. Gotthard-Tunnel Schnee und Eis zu ernten. Anschließend haben sie es um eine Trommel gepackt, Salz hinzugefügt, damit die Lösungswärme dem Inhalt die Wärme entzieht. In die Trommel kommt der Brei, der gerührt werden und immer wieder von der kalten Wand abgestreift werden muss. Drehen, drehen, drehen. Die Masse wird mehr und berkommt die richtige Konsistenz, doch man muss aufpassen. Drehen, drehen, drehen, das ist die Melodie, mit der die Familie lebt.

Natürlich wussten die Italiener nicht, dass auch auf anderen Flecken unserer Erde die gleichen Versuche mit Erfolg unternommen wurden. Ebenso wurde z.B. die Eistüte wahrscheinlich von einem aus Syrien stammenden Amerikaner erfunden.



Die Familie der Talaminis ist sehr erfolgreich, sie haben auch in Rotterdam ein Eiscafe. Giovanni hat einen jüngeren Bruder Luca, für den er immer da ist. Doch es kommt der Tag, als sich Giovanni dazu entscheidet, für die Literatur zu leben. Er ist sehr erfolgreich, veranstaltet  große Poetry Festivals und umgibt sich mit Schriftstellern. Sein Bruder spricht von Stund an kein Wort mehr mit ihm, hat er doch sein Leben der Familientradition vorgezogen. Sein jüngerer Bruder muss seinen Platz nun einnehmen. Allerdings im Privatleben bekommt Luca das schönste Mädchen des Dorfes, in das auch Giovanni verliebt war.

Wenn man sich die Geschichte der Talaminis ansieht, so merkt man, dass in jeder Generation das Eismachen mehr als Pflicht gesehen wird. Der Vater von Vater Guiseppe wird erst einmal Abenteurer, nachdem er durch den St. Gotthardttunnel verschwunden ist; Giovannis Vater wäre gerne Erfinder geworden, tja, und er selbst hat die Poesie.

Natürlich hat er ständig Kontakt zu seiner Familie, nur sein ehemals bester Freund, sein Bruder Luca, meidet ihn und spricht mehrere Jahre kein Wort mit ihm. Bis auf den Tag, als er an ihn herantritt und ihn um etwas Außergewöhnliches bittet.

Ernest van der Kwast hat eine wunderbare bildhafte Sprache, ich sehe alles vor mir und kann das Eis schmecken. Wortgewaltig berichtet er über das Leben einer Eismacherfamilie mit all ihren Sorgen und Nöten in Rotterdam und in den Bergen der Dolomiten. Besonders schön finde ich die Zitate der Schriftsteller/Poeten.

Das Buch erschien im April 2018 in der Taschenbuchausgabe bei btb und der Verlagsgruppe Random House. 

Timo Leibig - Nanos

Beängstigende Zukunftsvision hier in Deutschland


Stellt euch vor, eine Regierung möchte die totale Macht. Sie ist bereit, alles dafür zu tun.

Im Jahr 2021 finden  Forscher, die auf der Suche nach einem Mittel gegen Phobien sind, ein "kleines" Nebenprodukt, mit dem Menschen unbemerkt beeinflusst werden können - bis hin zur Emotionslosigkeit. 
Da die Menschen dieses kleine Nebenprodukt durch ein notwendiges Nahrungsmittel zu sich nehmen und nichts davon merken können, sind Türen und Tore zur absoluten Kontrolle der Deutschen Bevölkerung geöffnet. Das Grundgesetz wird geändert in eine Verfassung und die Macht wird anders verteilt. 

Doch was ist eine Macht ohne eine Revolution? Ja, auch diese gibt es. Auch wenn sich die Regierung dies nicht vorstellen kann. Aber es gibt Menschen, die auf die Kontrolle nicht reagieren, die etwas gegen die Regierung unternehmen wollen.

Dann haben wir Malek, er ist mit seinem Freund schon vor längerer Zeit aus dem Gefängnis ausgebrochen. Im Fernsehen hatte er dort bereits gesehen, dass sich die Welt draußen total verändert hat. Es gibt Gardisten, Konfessoren und einen größenwahnsinnigen Kanzler, der am liebsten bereits negative Blicke zum Anlass nimmt, seine Bürger abführen zu lassen. Wie das alles abläuft, hat Malek auch bereits im Knast hautnah miterleben müssen, als jemand seinen Mund zu weit aufriss.

Malek haust 2028 in einem Wohnwagen und würde dort wohl auch Jahrzehnte später noch hausen, wenn nicht eine verfolgte junge Frau zu ihm geflüchtet wäre. 
Die Kehlianer sind ihr eng auf den Fersen, doch vorher wollen andere Menschen sie vor den Verfolgern retten. Da man nicht weiß, ob Malek zu den Kehlianern gehört, greifen ihn die Revolutionäre gleich mit auf und nehmen ihn mit. Er überlebt. Nun muss er sich entscheiden, ob er mit/für die Revoluzzer arbeitet oder wie es wohl weitergehen soll mit ihm.
Unabhängig davon muss er aber auch noch ein Versprechen einlösen, das er seinem Freund, der im Wohnwagen gestorben ist, gegeben hat.

Timo Leibig schreibt in seinem Verlagsdebüt (Penhaligon / Randomhouse) über eine erschreckende Zukunftsvision, in der jedoch auch das Gute seinen Platz findet. Ich kann mir so etwas sehr gut vorstellen. Heutzutage muss man ja mit allem rechnen!

Die Sprache des Autors ist absolut verständlich, das Buch hyperspannend und für die entsprechenden Überraschungsmomente ist auch gesorgt. 

Das Cover passt absolut gut zum Inhalt, zumal auch schon unter NANOS angegeben ist "Sie bestimmen, was du denkst". Dies in Verbindung mit der grün-weißen Spirale würde mich auf jeden Fall zum Kauf animieren.

Das Buch erschien am 24. September 2018. Es ist als eBook und broschiert erhältlich.

Ule Hansen - Blutbuche

Nervenaufreibende Täterjagd


Emma Carow ist Fallanalystin bei der OFA (Operative Fallanalyse) des Landeskriminalamts. Sie hat ein lange zurückliegendes Trauma noch nicht ganz verarbeitet. Dann sitzt sie in einer TV-Show ihrem Vergewaltiger, der jetzt seine Strafe abgesessen hat, gegenüber. Sie stellt fest, sie hat wohl alles überwunden. Aber ist das tatsächlich so? 

Zurück auf der Arbeit wird sie mit einem abscheulichen Fall betraut. Mehrere Frauen sind verschwunden. Von einigen findet man Körperteile, die furchtbar zugerichtet sind - ich äußere mich bewusst nicht näher dazu, um nicht zuviel zu verraten.
Bei der Polizei trudeln Briefe der vermissten Frauen ein. Was bezweckt der Täter damit? Die Spuren führen nach Polen, man muss zusammenarbeiten. Das klappt nicht gut.

Gott sei Dank hat Emma einen guten Freund, bei dem sie Kraft auftanken kann, der ihr bei ihren Alpträumen hilft und sie psychisch aufbaut. Es ist ein dermaßen verzwickter Fall, mittlerweile ist klar, dass der Täter die entführten Frauen, die wohl aus dem Milieu stammen, bestialisch quält und genauso töten wird. Emma und die Kollegen des LKA müssen unbedingt schnell den Täter fassen. Emma wird unvorsichtig.

Das Autorenduo Astrid Ule und Eric T. Hansen hat einen spannungsgeladenen Roman mit einigen guten Überraschungsmomenten geschrieben. Es ist der zweite Fall mit Emma Hansen. Der Roman lässt sich aber super lesen, ohne den ersten zu kennen. Das Buch lässt sich kaum aus der Hand legen. Es hat 90 Kapitel auf 478 Seiten, wobei das letzte Kapitel hoffen lässt, dass es einen weiteren Roman mit Emma Carow geben wird.

Haylen Beck - Ohne Spur

Ein Alptraum - atemberaubender Psychothriller


Audra flieht, unterstützt mit der psychischen Hilfe zweier Frauen, vor ihrem Ehemann, der sie auf eine heimtückische Art und Weise körperlich und seelisch missbraucht. Sie packt alles Notwendige für sich und ihre kleinen Kinder Sean und Louise in das Auto, um nach San Diego, Kalifornien, ans andere Ende der USA zu einer Freundin zu flüchten. Aber die Familie ihres Mannes ist reich, sie werden sicher alles in Bewegung setzen, um sie und die Kinder zu finden.

Mitten in der Wüste ist es soweit. Sie wird von einem Polizeiwagen gestoppt. Der Sheriff fordert sie auf, auszusteigen, der Wagen sei überladen. Er bietet ihr an, einen Teil der Ladung zu übernehmen und öffnet, ohne sie zu fragen, den Kofferraum. Dort zieht er einen Beutel mit Marihuana aus dem Gepäck. Audra weiß nicht, wie dieser dorthin gekommen ist. Der Sheriff verhaftet sie und ruft eine Mitarbeiterin, damit diese sich um die Kinder kümmert.



Im Sheriffsoffice behauptet der Beamte auf einmal, es seien keine Kinder im Auto gewesen. Fortan wird Audra wie eine Mörderin behandelt. Das FBI schaltet sich ein und will nur herausbekommen, wohin sie diese verbracht hat. Lediglich ein Chinese, dessen Frau einmal das gleiche passiert ist, kommt an diesen Ort, um Audra zur Seite zu stehen.

Haylen Beck hat die Wüste Arizonas so geschildert, dass man sich vorstellen kann, man sei auch schon dort gewesen. Diese unerträgliche Hitze, die den Klimaanlagen in den Autos und Häusern das Letzte abverlangt! Die unendliche Weite und Einsamkeit in dem kleinen Städtchen Silver Water, und mitten drin Audra, die nicht nur alleine ist mit der Aussicht auf eine katastrophale Anklage wegen Mordes, sondern auch mit einer nicht nachzuvollziehenden Sorge um ihre Kinder. Diese Frau zieht aus dieser Sorge eine unmenschliche Kraft, um die man sie beneiden möchte. Aber sie kämpft gegen das absolut Böse  ...

Das Buch umfasst 60 Kapitel, die bei 384 Seiten erfreulicherweise nicht zu lang sind. Die Gedanken des Sheriffs, seines Deputies, die die Kinder weggebracht hat, der mutigen Kinder und natürlich der Mutter und des Chinesen fließen in die einzelnen Kapitel in. Der Leser weiß, weshalb alles so ist, wie es ist, nur leider kann er nicht eingreifen! Es ist sehr unterhaltsam und mit ansteigender Spannung geschrieben. Kaum hatte ich ein Kapitel aus und wollte das Buch weglegen, dachte ich mir, na, ein weiteres Kapitel kannst du noch dazunehmen. 

Ich bin festüberzeugt, dass es so etwas wie das Darknet gibt, auch in der beschriebenen Form. Wie sonst sollten diese furchtbaren Verbrechen möglich sein? Ich persönlich müsste mich sehr zurücknehmen, um nicht bei diesen Menschen selbst Hand anzulegen, aber das tut hier wohl nichts zur Sache.

Der Autor schafft es, die Spannung vom ersten bis zum letzten Wort zu steigern, er hat eine wunderbare Art zu schreiben und zu beschreiben. Der dtv Belletristik hat ein Gutes getan, dieses Buch zu verlegen, das am 21. September 2018 veröffentlicht wurde. 

Das Cover, das die Hitze Arizonas, das Alleingelassensein und die Hilflosigkeit dieser Mutter zeigt, regt unbedingt zum Kauf des Buches an

Das Buch wurde in deutsch übersetzt von Wolfram Ströle. Es ist erhältlich als Taschenbuch, eBook und Hörbuch. 

Mark Roderick - POST MORTEM (4) Spur der Angst

Toller Spannungsaufbau


Mit "Spur der Angst" hat uns Mark Roderick bereits den 4. Roman der Reihe POST MORTEM geschrieben. Es ist wieder ein Thriller, bei dem es an nichts fehlt, kriminelle Energien, kriminalistische Finessen und atemlose Spannung eingeschlossen. Dieses Buch kann aber auch von denen gelesen werden, die die vorherigen nicht kennen.

Einer jungen Frau fehlt ihre Vergangenheit, das heißt, die Zeit bis zu ihrem achten Lebensjahr. Sie wurde bei Eltern groß, die nicht die ihren sind. Nun ist sie als skrupellose Geldeintreiberin tätig, als sie plötzlich auf ihre Vergangenheit angesprochen wird. Sie wird sofort tätig und tatsächlich, der Tipp war korrekt. Sie findet eine Spur und einen Mann, der sie damals in Sicherheit hat bringen lassen. Sie erfährt, dass sie unter einem Gen-Defekt leidet und es gibt ein Bild. Das Bild wird der Startschuss für die Suche nach Linas Vergangenheit.

Der Mann, der sie in Sicherheit hat bringen lassen, bringt sie mit Avram Kuyper zusammen, der allerdings ist ein Profi-Killer. Gut für ihn ist, dass auch Lina durch ihre Tätigkeit im Hamburger Milieu mit fast allen Wassern gewaschen ist. Sie rettet ihn aus einer brenzligen Lage, aus der er sich nicht selbst hätte befreien können. 

Gemeinsam mit der Interpol-Agentin Emilia Ness, die ebenfalls noch einen alten Fall innerlich verarbeitet, kommen sie einem Netzwerk einflussreicher Politiker und Wirtschaftsbossen auf die Spur, die vor nichts haltmachen. 

Das Buch fängt recht leise an und nimmt erst langsam Fahrt auf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass den "neuen" Lesern die Interpol-Agentin Emilia und der Profi-Killer Avram aus den vorherigen POST MORTEM-Bänden zunächst vorgestellt werden. Doch dann geht es rasant weiter. Grauenhafte Dinge geschehen.

Ich verrate hier bewusst nicht mehr vom Inhalt des Buches, lediglich, dass es Abgründe (auf)zeigt, die es sicherlich heutzutage noch geben kann.

Mark Roderick hat uns, so glaube ich, schon einen Hinweis gegeben, dass es noch einen weiteren Band geben wird. Nach dem abrupten Ende bleibt doch noch so einiges offen, dass wir gerne über die Protagonisten erfahren möchten.

Der Spiegel Bestseller-Autor Mark Roderick hat uns wieder einen tollen Roman geschrieben; der Titel "Spur der Angst" hat seine für das Buch reale Bewandtnis.

Es wurde im Mai 2018 bei Fischerverlage veröffentlicht und ist als Taschenbuch, Hörbuch und eBook erhältlich.

Deb Spera - Alligatoren

Ein ganz besonderer Südstaatenroman


Ich habe schon früher immer wieder gerne die Südstaatenromane gelesen. Deb Spera ist hier etwas besonderes gelungen: Sie schreibt über drei starke Frauen aus unterschiedlichen Schichten, die aufeinandertreffen bzw. aneinander gebunden sind.

Da ist Annie Cole, Plantagenbesitzerin, Ehefrau und Mutter von noch zwei Söhnen und zwei Töchtern, ein Sohn hat sich in ganz frühen Jahren umgebracht. Die Töchter sind jedoch schon vor etlichen Jahren im Streit aus dem elterlichen Haus ausgezogen. Eigentlich ringt ihre Mutter schon länger mit sich, wieder Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Die Chance ergibt sich überraschend.

Sie betreibt zusätzlich eine Näherei mit einem ihrer Söhne, der entsprechend vom strengen Vater nicht für voll genommen wird. Da die Familie die Farm und die Näherei mit vielen Mitarbeitern betreibt, geht es ihr entsprechend gut, ja, sie scheint die bestsituierte Familie weit und breit zu sein.

Die nächste Frau ist (O)Retta, eine farbige Köchin, die bei den Coles arbeitet, ihre Gerichte sind heiß geliebt, sie persönlich wird ebenfalls sehr geschätzt von Miss Annie und ihren Kindern. Retta ist verheiratet mit einem behinderten Mann. Ihm fehlt ein Bein durch einen Arbeitsunfall, aber er arbeitet immer noch, gleich was anfällt. Die beiden haben durch eine schlimme Krankheit ihre Tochter verloren, aber nicht ihren Optimismus und ihre Liebe zueinander. Retta hat das Herz auf dem rechten Fleck, Mut und - das zweite Gesicht.

Gertrude, die dritte Frau im Bunde, ist verheiratet mit einem Mann, der sich zum Trunkenbold entwickelt hat, sie regelmäßig schlägt und auch vor ihren vier Töchtern nicht haltmacht. Sie wohnen nahe den Sümpfen, in denen es von Alligatoren wimmelt. Es gibt so wenig zu essen, dass Gertrude zwei ihrer Töchter vorübergehend zu ihrem Bruder und seiner Frau gibt. Da wird ihre jüngste Tochter Mary schwerstkrank. Sie bittet Retta um Hilfe.

Deb Spera schreibt diesen Roman auf eine leise Weise, die den Leser immer mehr mitreißt. Wir sind dabei, wie die Frauen leben und wissen auch, was sie denken. Wir erfahren, weshalb diese Frauen von mir als stark bezeichnet werden. Diese Frauen lieben ihre Unabhängigkeit und sind bereit, so gut wie alles dafür zu tun. Besonders gut finde ich auch, dass die Autorin aufzeigt, inwieweit Frauen in der Politik das Sagen haben bzw. nicht. 

Die Autorin hat die Handlung in fünf Abschnitte und einem Abschnitt "Im Danach" unterteilt und in diesen Abschnitten jeweils die einzelnen Frauen zu Wort kommen lassen, in Denken, Sprache und Taten. 

Dieser Südstaatenroman ist einer, der mal nicht die Unterdrückung der Farbigen zum Thema hat und mehr auf das Miteinander abzielt. Als ich den Roman aus der Hand legte, hatte ich eine Gänsehaut.

Steffi von Wolff - Perfekt sein muss nur, wer sonst nichts kann

Ein Buch, das Frau auch unter 50 unbedingt lesen sollte

Steffi von Wolff spricht mir voll und ganz aus der Seele. Sie schreibt, ihr ist das alles im Alter von 50+ bewusst geworden, aber es ist kein Fehler, wenn man das früher oder später erkennt. Auch ich (62) habe diese Läuterung durchgemacht und fühle mich schon länger einfach super dabei.

Ja, man muss nicht das tun, was von einem erwartet wird. Ja, man muss nicht immer ja, klar, und selbstverständlich mach ich das, sagen und danach handeln. Man muss auch nicht "der Mülleimer der Nation" sein und sich alle Probleme anhören und mit Rat und Tat dabei sein. Die Leute melden sich später nicht mehr bei dir, erst wenn das nächste Problem ansteht. 
Sicher verliert man dadurch Freunde - waren das dann welche? - und gute Bekannte, stösst sie vor den Kopf, wenn mann auch mal nicht zu Treffen geht, zu denen man überhaupt keine Lust hat und insbesondere nicht, wenn daran auch noch Leute teilnehmen, die man überhaupt nicht riechen kann. 

Doch man kann dadurch auch feststellen, wer noch zu einem hält und neue Freunde kennenlernen. Außerdem ist das eine Phase, durch die man selbstbewusster wird. Das Leben wird einfach schöner!

Steffi von Wolff hat eine wunderbare Art, uns das alles näher zu bringen. Ich habe mir beim Lesen vorgestellt, sie bringt uns das auf einer Bühne dar. Einmalig. Aber ich glaube, das macht sie nicht. Sie arbeitet beim Hessischen Rundfunk und schreibt ihre Bücher nebenbei. Ich würde es stark unterstützen, sie auf der Bühne zu sehen. Sie hat eine wunderbare Art zu schreiben, ich habe das Gefühl, sie sitzt bei einer Tasse Tee/Kaffee mir gegenüber und erzählt mir das alles, was im Buch steht. Ich bin hin und weg, und ich unterstütze ihre Ansichten voll und ganz.

Ein wunderbares Buch, das man auch Frauen unter 50 schenken kann, wenn sie offen sind und sich nicht dadurch beleidigt fühlen, dass es um Frauen von 50+ geht. 

Anna Neunsiegel - Goulard Saga - Episode 1

Geheimnisvolles, spannung aufnehmendes Buch

Cover: Nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich natürlich, dass es sich um das geheimnisvolle Amulett handelt, um das sich die Sage dreht und das so unendlich große Macht hat. Einmalig gut!

Dieses Buch spielt mit Schattenwesen, die in unserer Welt nichts zu suchen haben, aber dennoch einen Weg fanden, hereinzukommen. 

Im Prolog erfahren wir, dass vor 18 Jahren die Geschichte der Geister, Kobolde und Feen, sowie die der drei von Göttern geweihten Amulette, mit denen zwischen den Welten gewandelt werden konnte, erzählt wurde. Nur drei Torwächter sollte es geben, ob es heute noch welche gibt, wer weiß?

Heute: In einem schottischen Internat soll der Schüler Calan als Mutprobe dem eher für zurückgezogen gehaltenen Musterschüler Victor ein Amulett, welches dieser stets bei sich trägt, stehlen. Dies schafft er auch, aber er verliert dabei beinahe sein Leben auf den Klippen von Stonehaven, nachdem er von einem Geist gejagt wurde. Der Internatsleiter versucht dahinter zu kommen, was sich abgespielt hat. Er schaltet Peter McKennitt von der Goldenen Hand ein.

Auf einer Flußinsel im Rhein nahe Koblenz, auf Niederwerth, lebt die 16-jährige Eonie mit ihrem Vater, ihrem Hund und ihrer Katze. Sie ist rundum zufrieden mit ihrem Leben, so wie es ist. Da reißt sich Loop, ihr Hund von der Leine los, um eine Krähe zu jagen und wird beinahe überfahren. Eine etwas aufgetakelte Frau mit ihrem Sohn steigen aus dem Auto und die Frau gibt ihr den Hund zurück.

Zuhause sieht sie diese Leute wieder und erfährt, dass ihr Vater wohl mehr als befreundet ist ist mit Frau Weinstein, deren Sohn Thorsten ihr nicht so ganz geheuer ist - zudem sollen diese Leute auch sofort bei ihnen einziehen. Okay, Thorsten sieht gut aus, aber die dunklen Augen machen ihr Angst. Nach der Schule jobbt Eonie in einer Buchhandlung, jetzt taucht der Junge auch dort auf, verfolgt er sie etwa?

Die einzelnen Personen hat Anna Neunsiegel sehr gut beschrieben, ich sehe diese alle vor mir. Eonie, die sich selbst als nichts besonderes sieht, hat wohl die Gabe, hinter die Menschen zu sehen und mehr wahrzunehmen. 

Anna Neunsiegel hat eine Sage begonnen, deren erster Teil genau zum richtigen Zeitpunkt aufhört. Jetzt bin ich entsetzt, wie geht es weiter? Natürlich muss man den nächsten Teil lesen.

Die Autorin hat sich auf ein größeres Werk eingelassen, dass ich ihr auf jeden Fall zutraue, ihr Schreibstil ist wunderbar, das Buch lässt sich von Anfang an toll lesen und sobald die Mystik die Handlung übernimmt, bekomme ich - auch als älteres Semester - eine angenehme Gänsehaut.




Nicola Accordino - Zeit zurückzukehren

Sehr einfühlsam geschrieben - Ich liebe dieses Buch

Ich liebe dieses Buch. - Nicola Accordino führt uns behutsam an den jungen Italiener Christian, genannt Chris heran, der sehr unsicher ist, was ihn selbst angeht. Er wagt nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden, zumal nicht im katholischen Italien. 
Er flüchtet auf die Malediven, wo er eine Stelle im Miniclub eines Hotels annehmen kann. Er fühlt sich hier recht wohl, obwohl natürlich auch hier niemand erfahren darf, dass er homosexuell ist. Sein Chef macht keinen Hehl daraus, was er von Schwulen hält, und so manche Eltern würden bestimmt auch entsetzt ihre Kinder aus dem Miniclub herausholen.

Doch er lernt hier auch den jungen Mann kennen, in den er sich unsterblich verliebt. Ist dieser auch so veranlagt wie er? Er weiß es nicht, und bevor die Saison vorbei ist, ist seine Liebe Scott samt Vater und kleinem Bruder wieder zu Hause in England.

Chris fliegt nach Italien zurück, aber nichts hat sich geändert. Gott sei Dank hat er außerhalb seines kleinen Dorfes Freunde in Rom, zu denen er fahren kann, doch er soll die ganze Welt kennen lernen und auch alle Nuancen der Gefühle und der Liebe durchleben. Er lernt Freunde kennen, die ihm zur Seite stehen, sich mit ihm freuen können und auch versuchen, ihn aus der tiefsten Trauer herauszuhelfen.

Nicola Accordino hat eine wunderbare Art, uns das Leben und die Gefühle von Chris nahezubringen und auch aufzuzeigen, wie weit Liebe bereit ist zu gehen. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

Der Autor ist Teil der LGBT-Welt (Lesben Gay Bisexual und Transgender) und ist der Meinung, dass noch viel dafür getan werden muss, dass über diese Thema sowohl in Italien als auch in Deutschland offen darüber gesprochen werden kann.

Das Buch wurde auf einmalige, einfühlsame Art übersetzt von Sabrina Fuchs.

Liv Eiken - Verrücktes Herz

Es ist so verrückt, dass es fast schon wahr sein kann


Liv Eiken stellt uns Ava vor, eine überarbeitete Leiterin ihres "Hotel Mama". Ihre großen Kinder ziehen nicht aus, im Gegenteil, sie erwarten, dass Ava auf Kommando für sie da ist und hinter ihnen herräumt. Auch der Ehemann stellt seine Ansprüche, meckert nur und dann ist da noch ihre Mutter, die am Telefon nörgelt. Ava wird alles zuviel.
Es kommt, was kommen muss: ihr Mann teilt ihr mit, dass für ihn die Ehe vorbei ist. Ava bricht zusammen. 

Sie wird in einer Nervenheilanstalt wach. (Bei uns heißt das wohl eher Psychiatrische Klinik.) Natürlich geht sie davon auss, dass sie gar nicht hierher gehört, ohne zu berücksichtigen, dass sie einen Nervenzusammenbruch hatte und unter Panikattacken leidet. 

Nun gut, Ava kommt in einen Gesprächskreis, dem außer ihr noch der gemütliche und in sich gekehrte Güni, die aufgetakelte Jacky und Wulf, ein junger Mann im Alter ihres Sohnes mit einer Phobie vor Insekten angehören. Der Psychologe Wolf schafft es, dass die vier füreinander da sind.

Ava, als "Hausmütterchen" prädestiniert dafür, die Probleme anderer zu lösen - was von Wolf natürlich nicht gewollt ist, deshalb weiß er auch nichts davon, erarbeitet mit den Anderen einen Plan, wie sie an sich arbeiten können. Bei ihrer eigenen Aufgabe lernt sie Mister Bääm! kennen.

Dieses Buch ist so verrückt, dass man sich fragt, ob es nicht reichlich übertrieben ist. Aber in einer solchen Klinik wird wohl damit gerechnet, dass alle etwas ausflippen. 

Liv Eiken hat es geschafft, dass man mehr als einmal schmunzeln, wenn nicht sogar lachen muss. Außerdem lernt man, dass Träume wahr werden können, wenn man seinem Herzen folgt.

Das Buchcover, es zeigt einen Steg an einem See und hat auch seine Bewandtnis im Zusammenhang mit dem Roman, es zeugt von Sehnsucht, Liebe und Ruhe.

Die Autorin hat uns hier eine herrliche Urlaubslektüre geschenkt. 

Das Buch wurde am 19.07.2018 im FeuerWerke Verlag veröffentlicht. Ich hoffe, Liv Eiken schenkt uns noch mehr beschwingte Romane.

Fredrik Backman - Kleine Stadt der großen Träume

Freundschaft geht über alles


Fredrik Backman schreibt in seinem neuen Buch "Kleine Stadt der großen Träume" von Freundschaft - Freundschaft in guten wie in ganz schlechten Zeiten.

Aber er schreibt auch über den Sport Eishockey, dem sich ein ganzes Städtchen verschworen hat. Die Juniorenmannschaft muss Meister werden, damit in die Stadt investiert wird, damit die Sponsoren "am Puck" bleiben.

Im  schwedischen Städtchen Björnstadt ist man für oder gegen Eishockey, man gehört zu den "Björnstädter Bären" oder nicht. Da macht es nichts aus, ob man arm oder reich ist. Doch in anderen Bereichen, nämlich bei den Eltern, beachtet man das sehr wohl.

Fredrik Backman schreibt über die Freundschaften von Erwachsenen aber insbesondere von Jugendlichen, 15- und 17-jährigen. Er berichtet uns, was diese Freundschaften aushalten können - und auch, wie schnell sie zerbrechen können. 

Wenn etwas ganz furchtbares passiert, ist es dann egal, ob man der Star der Mannschaft ist, arm oder reich? Alles wird auf die Probe gestellt. Schließlich hängt die Zukunft des Städtchens davon ab.

Ich schreibe bewusst nicht mehr über den Inhalt, zu groß ist die Gefahr, zu spoilern.

Ich habe selten ein dermaßen fesselndes Buch gelesen. Die Spannung brennt in jeder Zeile. 
Immer wieder war ich drauf und dran, zum Ende vorzublättern - doch ich habe es natürlich nicht getan. Ich habe jeden spannenden Satz ausgekostet. - Und am Ende fand ich es schade, dass das Buch schon ausgelesen ist. 

Fredrik Backman ist ein großer schwedischer Schreiber, der über 9 Millionen Bücher verkauft hat. Er hat die besondere Art, seine Leser zu fesseln. Er ist ein Spiegel Bestseller-Autor.

Übersetzt aus dem Schwedischen hat den Roman Antje Rieck-Blankenburg.

Horst Evers - Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex

That's life


Horst Evers, deutscher Kabarettist, der den deutschen Kleinkunstpreis gewann, präsentiert uns mit dem Buch "Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex" - das auch ein Titel seines Bühnenprogramms ist, Situationen aus dem gelebten Leben. Mal sind sie komisch, mal regen sie zum Nachdenken an, aber es gibt immer wieder Menschen, die sich in diesen Situationen wiederfinden.


Er ist ein begabter "Geschichten"erzähler und man meint, er habe das alles mal erlebt oder würde wen kennen, der es erlebt hat. Wer seine Bühnenauftritte erlebt oder dieses Buch liest, fragt sich, wo er die Ideen auch immer herholt. Nun ich muss sagen, so einige der Menschen, die er beschreibt, kenne ich auch. Nur muss man das ja erst mal bühnenreif erzählen können.

Die Widrigkeiten des Lebens elegant zu umschiffen, dazu gibt Horst Evers die richtigen Anleitungen. Ich sehe mich jauchzend im Zuschauerraum bei einem seiner Auftritte. Siehe auch die entsprechenden Videos im Internet. Nie war Alltag so schön wie heute mit Horst Evers.

Das Cover passt zum Titel, ein rotes Bett in einem blauen Schlafzimmer.

Das Buch erschien in der 1. Auflage im Februar 2017 bei Rowohlt Berlin.

Olivia Kiernan - Zu Nah

Psychothriller, der unter die Haut geht


Die Detektiv Chief Superintendant Frankie Sheehan kommt nach längerem Ausfall wegen einer lebensgefährlichen Verletzung durch einen vermeintlichen Mörder in ihrem letzten Fall zurück ins Dubliner Police Department. Sie ist noch nicht ganz darüber hinweg und hat ab und an Panikattacken, aber sie hat den notwendigen Abstand.

Nun ist sie sofort mitten in Ermittlungen. Ein Selbstmord einer Uni-Professorin ist zu untersuchen. Und urplötzlich ist die Profilerin in ihr erwacht und sie stellt fest, dass es sich bei dem Selbstmord um Mord handelt. Um Mord durch jemanden, der Spaß an sadistischen Spielen hat. Der Ehemann der Professorin ist nicht auffindbar, ebensowenig sein oder ihr Handy. Durch die Schwester des Witwers erfahren sie, dass er wohl eine Geliebte hatte. Immer wieder landen sie in einer Sackgasse und der Fall entwickelt sich beängstigender, als überhaupt vorhersehbar. Es folgen weitere Morde. Frankie Sheehan und ihrem Team läuft die Zeit davon. Und die Verdächtigen werden immer weniger. Ist das tatsächlich so? - Frankie spielt wie auch vor ihrer Verletzung mit vollem Einsatz. Hoffentlich geht das mal gut!

Olivia Kiernan versteht es, mit ihren Lesern zu spielen, sie in die Ermittlungen einzubeziehen. Es graust einem, wenn man sich überlegt, was es alles für Menschen gibt. Der Roman ist mehr als spannend. Die Lösung des Falls ist absolut nicht vorhersehbar, was für einen guten Thriller spricht.

Olivia Kiernan ist eine irische Schriftstellerin. Das Buch ist ihr Debutroman und wurde übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Es erschien bei HarperCollins. Danke an jellybooks für die Zurverfügungstellung des Romans.

Markus Kleinknecht - Verhängnisvoll

So kann man sich vertun bei angesehenen Menschen!


Markus Kleinknecht hat mit diesem Roman um den freien und investigativen Journalist Jan Fischer und die Fotografin Charlotte Sander ein ganz heißes Eisen angepackt.

Die neugegründete Hamburger Internetzeitung "Lauffeuer" hat mehrere Reporter zusammengetrommelt. die etwas aufbauen wollen. Der Gründer und Leiter, ein ehemaliger Volontär, bittet Jan, mitzumachen. Er hat auch gleich etwas, was diesen neugierig machen soll. Eine Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern ist spurlos verschwunden. Doch erstmal möchte Jan nicht.

Dann wird die Leiche des Vaters aus dem Hafenbecken geborgen. Sofort ist Jan Feuer und Flamme sowie vor Ort. Er beobachtet über Tage die Suche nach der restlichen Familie. Außerdem fällt ihm eine Frau auf, die ebenfalls immer dorthin kommt. Er folgt ihr.

Charlotte, seine Partnerin im privaten Leben, die allerdings nicht mit ihm in seiner privaten Wohnung leben möchte (eine ausgediente Kirche), erlebt auch so einiges. Erst ist ihre teuere Kamera weg, dann ist sie wieder da. Dann wird sie ständig verfolgt und später lässt sie den Verfolger sogar bei sich nächtigen.

Als ein angesehener Hamburger Unternehmer vom Verdacht des Kindesmissbrauchs freigesprochen wird, obwohl ein Video vorliegt, wird sie neugierig und sticht in ein Wespennest.

Jan und Charlotte fällt auf, dass beide Fälle zusammengehören. Und wie schafft es die Gegenseite immer wieder, ihren Aufenthaltsort festzustellen?

Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen und ist sehr spannend und nicht vorhersehbar. 

Ganz toll finde ich, dass in diesem Roman auf die jetzige Technik hingewiesen wird (die Internetzeitschrift "Lauffeuer"), und auch dass der Autor sämtliche Protagonisten dermaßen lebensnah geschildert hat, dass man meint, sie zu kennen. 

Das kurze "Danke" ist mal ganz was Neues. Es werden lediglich 7 (i.W. sieben) Freunde genannt, bei denen er sich bedankt.

Markus Kleinknechts Romane leben immer wieder mal von realen Fällen. Er ist TV-Journalist und berichtet auch aus den Gerichten. 

Das Buch erscheint bei TWENTYSIX-Verlag, Eine Kooperation zwischen der Verlagsgruppe Random House und BoD - Books on Demand.
Umschlag: Armin Werra
ISBN: 978-3-740-77521-6

John Grisham - Forderung

Chancengleichheit gibt es nicht


Ich vertrete diese Meinung wirklich: Chancengleichheit gibt es nicht. Kinder von Akademikern haben es leichter, auf gute Universitäten zu kommen und in Amerika, wo das entsprechende Geld dazu gebraucht wird, erst recht.

Wenn aber da eine Uni ist, die dir bei den Aufnahmetests vorgaukelt, du bist die Ausnahme, du hast das Zeug dazu, hier das Studium aufzunehmen, dann denkst du als unbedarfter junger Mensch gar nicht darüber nach, warum du wohl kein Stipendium bekommen hast. Im Gegenteil, du greifst ganz schnell zu, nicht zuletzt, um auch deiner Familie aus der Misere zu helfen. Der Staat hat vorgesorgt, er finanziert dir das Studium auch noch mit Hilfe einer bekannten Bank. Das würde er ja wohl nicht tun, wenn du nicht gut wärest, oder? Und du kannst nach deinem Abschluß alles locker abbezahlen, schließlich bist du bei dieser Uni ja zum Juristen ausgebildet worden. Denn Juristen verdienen ja ein Schw....geld, wie jeder weiß!

Nun, John Grisham hat dieses Thema aufgefasst, das Thema des Betruges mit den juristischen Hochschulen, denn so etwas gab (gibt?) es wirklich. Hier sind nun vier junge Studenten kurz vor ihrem letzten Semester und sie wissen, sie werden die Abschlussprüfungen nicht schaffen, denn sie wurden nicht gut darauf vorbereitet; einer von ihnen kommt so langsam dem ganzen Schwindel auf die Spur. 

Sie wurden nur an die Uni gelockt, damit andere Geld verdienen. Nur damit ihr Leser dieser Rezension es versteht, es geht für jeden um einen Betrag von ca. einer Viertel Million. Dieser junge Mann verzweifelt, kann sich aber vor seinem letzten Schritt noch seinen Freunden anvertrauen. Die glauben das natürlich erstmal nicht. 

Seine zwei Kollegen und eine Kollegin an der Uni versuchen jedoch, der perfiden Methode auf die Spur zu kommen. Erst mal legen sie ein Semester Pause ein und verdienen sich auf sehr unorthodoxe Weise ihr Geld für ihre Recherchen. Sie stellen fest, dass alles noch viel schlimmer ist, als gedacht. Sie beschließen, sich zu rächen, denn nicht die Banken und die Männer, die Anteilseigner sind, haben ihre Forderungen, sondern sie, nur sie!

Eigentlich habe ich mir gedacht, ein Mann wie John Grisham braucht keine Rezensionen, er ist ja so bekannt und beliebt. Aber dann wurde mir klar, das hier ist ein heißes Eisen, und auch bei uns in Deutschland wird vielen vorgemacht, wir hätten Chanchengleichheit - aber so ist das nicht.

Liebe Eltern, es muss nicht jeder ein Akademiker werden, es gibt sehr viele andere anständige Berufe. Und wenn man darin gut ist, gibt es dann die entsprechenden Aufstiegschanchen, z.B. im Handwerk den Meister oder Ingenieur. Außerdem haben eure Kinder dann mehr Erfolgserlebnisse.

Anja Bogner - Bülent Rambichler und die fliegende Sau

Im Fränkischen ist was los


Bülent Rambichler - was für ein Name - und dann noch eine fliegende Sau, dazu ein umwerfendes Cover, da kann ja wohl nichts schiefgehen.

Bülent, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar in Nürnberg (am liebsten HINTER seinem Schreibtisch!) soll mit seiner ehrgeizigen Assistentin ausgerechnet in seinem fränkischen Heimatdorf Struntzheim einen Mord an einer Fleischereifachverkäuferin aufklären. Dass er der zuständige Ermittler wird, daran sind sein Vorgesetzter und die Machenschaften seines türkischen Vaters Schuld.

Mit fränkischem Lokalkolorit und recht viel typischer Mundart nimmt uns Anja Bogner bei der Hand und wir lernen alle Protagonisten einschließlich der Tiere kennen. All das schildert sie uns sowohl mit einem Schmunzeln als auch auf recht gewöhnliche Art, eben so, wie die Dörfler sind. 

Den Kriminalfall löst der Hauptkommissar mit Hilfe seiner Kollegin Astrid natürlich, was auch sonst. 

Ich denke, wenn man - spätestens mit Hilfe der Übersetzungen - diesen Roman verstehen kann, hat man sehr viel Freude daran. Und ich bin auch davon überzeugt, dass es weitere Romane mit Bülent Rambichler geben wird. 

Das Buch erscheint im Verlag btb.

Silke Neumayer - Mit Mann ist auch nicht ohne

Braucht Frau einen Mann?

Braucht man einen Mann überhaupt, außer als Gesprächsstoff unter Frauen, Mädchen, Teenagern? Die Autorin schreibt in der Ich-Form als Mutter einer Tochter, die gerade mal als Teenager gelten kann. Sie schreibt über alle Nöte dieses Mädchens, Liebeskummer, Verletztsein, Liebe. 

Aber sie schreibt auch darüber, dass sie selbst in diesem Alter ja auch schon alles durchgemacht hat und dass das alles wohl noch nicht so lange her ist. Sie kennt alle Ausflüchte eines jungen Mädchens, auch wenn diese Tochter ihre Mutter oft genug als total peinlich empfindet, Silke Neumayer findet dafür noch viel schönere Worte.

Das Leben mit einem Ehemann, Lebensabschnittsgefährten - oder auch mit einem ganz neuen Neumayer'schen Begriff für diesen Mann - hat auch so seine besonderen Seiten. Und erst Recht ihre Beobachtungen bei ihren gleichaltrigen Freunden und Bekannten regen schon zum Schmunzeln an. Sie hält nicht zurück mit den Beschreibungen der Fehler und Kompromisslösungen, die Frauen in jeder Altersklasse, begonnen im Kindergartenalter bis ins hohe Alter machen können. 

Und so manches Mal kann man sich wirklich die Frage stellen: Fraucht Frau eigentlich wirklich einen Mann? Die Antwort ist: Ja! Es wäre sonst doch wirklich zu langweilig in unserem Leben. Und außerdem erlebt man noch so viele Überraschungen, die man sonst niemals erlebt hätte!

Silke Neumayer hat mit diesem Buch tatsächlich einen "Liebes-Lesestoff für die fortgeschrittene Frau", wie auf dem Buchcover schon angekündigt, mit spritzigem Wortwitz geschrieben. Es macht einen Heidenspaß, das Buch zu lesen. Man erkennt doch vieles wieder, auch wenn man keine Tochter hat, aber man war doch selbst mal jung; außerdem schreibt sie ja auch nicht nur über die Tochter, sondern auch über die Protagonistin selbst. Ich kann das Buch voll und ganz weiterempfehlen und weiß persönlich auch schon, wem ich es schenken werde.

Das Cover mit dem sich aufplusternden Hahn und der in sich ruhenden Henne ist absolut getroffen. Es macht neugierig. Der Cover-Innendeckel ist geschmückt mit Wortblasen, die nun letztendlich auffordern, das Buch zu kaufen.

Silke Neumayer wurde mit dem Buch "Ich hatte mich jünger in Erinnerung" Spiegel-Bestseller-Autorin, ist Jahrgang 1962 und alleinerziehende Mutter einer Tochter.

Genki Kawamura - Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Was ist wichtig im Leben?

Dieser Frage geht Genki Kawamura in seinem Roman mit dem neugierig machenden Titel nach. 

Ein Briefträger erfährt von seinem Arzt, dass er wegen eines Hirntumors nur noch ganz kurz zu leben hat. Er kann überhaupt nicht mit der Diagnose umgehen, hört dem Arzt nicht weiter zu und kommt irgendwie wieder bei sich zuhause an. Hier erwartet ihn in seiner Verzweiflung seine Katze Weißkohl und - der Teufel. Dieser macht ihm ein perfides Angebot. Er kann sein Leben um einen Tag verlängern, wenn er dafür sorgt, dass etwas von der Welt verschwindet. Was das ist, schlägt der Teufel vor. Er muss nur zustimmen. Es beginnt ganz einfach.... 


Genki Kawamura hat das Thema" was ist Überfluss, was ist wirklich notwendig und - wie furchtbar wichtig bin ich selbst" mutig angefasst. Nach jedem verlängerten Tag geht der Protagonist in sich und ist verzweifelt. Er denkt oft an die verpassten Gelegenheiten in der Vergangenheit. Aber er nutzt auch die erkaufte Zeit, um noch etwas gutzumachen. 

Der Autor hat den Roman in sieben Abschnitte (Tage) gegliedert und sehr flüssig in der Ich-Form geschrieben. Der Leser erlebt alles hautnah mit, alle Gedanken und Taten, als sei er der totkranke Briefträger.

Ich mochte den immer wiederkehrenden Teufel, aber als Katzenfreund war ich auch rasch vernarrt in Weißkohl.

Das Buch wurde aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe und erscheint im Verlag C. Bertelsmann

Anna Neunsiegel - Schneerosen Märchen

Ein Märchen für Jung und Alt

Haben Sie einen dichten Wald in der Nähe? Dann stellen Sie sich vor, Sie verirren sich darin. Sie wissen gar keinen Ausweg mehr und sind schon kurz davor, aufzugeben und sich vom Rest Ihres Lebens zu verabschieden. Dies passierte dem Knaben Geowulf weit ab von seinem Zuhause. Er ließ sich an einer Quelle nieder und trank daraus. 

Sofort erschien ihm ein kleines altes Männlein und klärte ihn auf, dass er im Zauberwald sei und sich verbotener Weise von einer Zauberquelle, deren Herr das Männlein sei, von der Quelle gelabt hatte. Es gäbe nur eine Lösung, der Herr der Quellen zeige ihm den Weg zurück zu den Menschen, er selbst müsse Gutes tun und - sein erstgeborenes Kind müsse genau an dieser Stelle zur Welt kommen und im Zauberwald verbleiben. Geowulf stimmte rasch zu, hatte er doch zu viel Angst vor diesem Wesen.

Anna Neunsiegel hat sich wieder ein Märchen ausgedacht und auf wundersame Weise erzählt. Sie hat mit der Sprache gespielt, Märchenwesen leben lassen und wir, ob jung, ob alt, sind gefesselt von dieser Geschichte. Sie lässt Märchen- und Fantasy-Gestalten auferstehen und teilnehmen in diesem Roman.

Liebe Anna Neunsiegel, weiter so. Es ist sehr schön, mal so ein ganz anderes Märchen zu lesen.

Sebastian Fitzek - Flugangst 7A

Mehr Angst ging nicht


Sebastian Fitzek hat es auf seine bekannte Weise wieder einmal geschafft, dass ich sein knapp 400 Seiten umfassendes Buch an einem guten Tag ausgelesen habe. Ich habe es verschlungen von der ersten bis zur letzten Seite. Ja, tatsächlich bis zur letzten, denn bei Fitzek lohnt es sich ja auch, die anschließenden Anmerkungen und Danksagungen zu lesen. Sie sind so ganz anders als bei anderen Schriftstellern. Ich kann mir immer so richtig vorstellen, dass er mir gegenüber sitzt und mir das alles erzählt. Er ist ein Autor zum Anfassen. Dafür spricht auch, dass er wieder seine email-Adresse im Buch hinterlassen hat. Und aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass er auch antwortet.

Nun aber zum Buch: Seit am 24.03.2015 die Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt ist und es keine Überlebenden gab, hat die EU psychologische Tests bzw. Kontrollen für Piloten gefordert. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. 

Mats Krüger ist ein Psychiater, er leidet unter starker Flugangst und hat extra ein Seminar besucht, um diese in den Griff zu bekommen, um seiner Tochter, die ihn nie mehr wieder sehen wollte, nach der Geburt ihres Babies beizustehen. 

Nun ist es ein langer Flug von Argentinien nach Berlin, doch langweilig wird ihm nicht werden. Gleich nach dem Start erhält er einen Anruf. Seine Tochter, die kurz vor der Entbindung steht, wurde entführt. Er soll jetzt einen ehemaligen Patienten, der sich mit ihm an Board befindet und den er von mörderischen Gewaltphantasien befreit hat, wieder in den damaligen Zustand zurückbringen, damit dieser die Maschine mit ihren über 600 Fluggästen zum Absturz bringt. 
Die Polizei darf er natürlich nicht einweihen, das heißt, es gibt wohl keine Möglichkeit, nach seiner Tochter zu suchen. Er versucht als erstes, den ehemaligen Patienten ausfindig zu machen. Gleichzeitig ruft er eine ehemalige Freundin an und informiert sie. Er weiß nicht ob und wie sie ihm helfen könnte, zumal es ihr Hochzeitstag ist. Mats ist so hilflos und wir Leser müssen miterleben, was sich in der Zeit in Deutschland abspielt. 

Sebastian Fitzek hat es geschafft, einen Psychothriller der Extraklasse zu schreiben. Ich kann ihn allen empfehlen, die Spannung pur erleben möchten. Das Buch mag einige Themen zu viel angesprochen haben, was die Spannung keineswegs mindert. Der Roman ist und bleibt schlüssig.

Bernhard Aichner - Bösland

Ein perfides Spiel um Schuld Bernhard Aichner beschreibt in seinem Roman "Bösland", dass ein kleiner Junge an seinem 10. Gebur...