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Eve Chase - Die Schwestern von Applecote Manor

Geheimnisvolle packende Familiengeschichte


Das Cover zeigt ein altes Herrenhaus umgeben von einem Park. Es muss für Kinder herrlich sein, hier aufzuwachsen. 

Die vier Geschwister Flora, Pam, Margot und Dot verbringen ihren Sommer bei Tante und Onkel auf dem Lande, auf Applecote Manor. Ihre kapriziöse Mutter ist dem Ruf an eine Stelle im Sekretariat des Konsuls in Marrakesch gefolgt. Die Mädchen freuen sich sehr auf diesen Sommer 1959, den sie nun nicht in Chelsea, London verbringen müssen.

Margot wird uns alles über ihre Erlebnisse hier auf Applecote Manor erzählen. Auch, dass die Stimmung im Haus bei ihrem Eintreffen sehr gedrückt ist. Sie erkennen ihre Tante kaum wieder, die immer Scherze auf den Lippen hatte. Das alles hat einen Grund: Ihre Cousine Audrey verschwand hier von jetzt auf gleich vor fünf Jahren. Die Mädchen nehmen sich vor, das Geheimnis um ihre Cousine zu lüften.
Da sie eine zusammengeschweisste Gemeinschaft sind, schaffen sie es als erstes, die Tante und den Onkel aufzuheitern. 

50 Jahre später: Jessie, die den Witwer Bill geheiratet hat, ist mit ihm auf der Suche nach einem Haus auf dem Land. Sie verliebt sich umgehend in Applecote Manor. In dieses Haus muss allerdings viel Geld gesteckt werden. Auch hat Bill immer eine lange Fahrtzeit zu seiner eigenen Firma vor sich. 
Aber ihr gemeinsames Ziel ist es, Bills Tochter gewissen Einflüssen zu entziehen, deshalb kaufen sie das Haus. Bella ist in der Pubertät und lehnt Bills neue Frau Jessie absolut ab, ja sie scheint sie zu hassen. Den Unfalltod ihrer Mutter Mandy hat sie auch noch nicht verwunden. Ihre kleine Schwester Romy, die gemeinsame Tochter von Jessie und Bill, verachtet sie offensichtlich. Sie macht es Jessie auch hier kein bisschen leichter, an sie heranzukommen. Gleich ganz zu Anfang weist sie darauf hin, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Ob das Ablehnung ist oder Empathie?
Die Zeit ab dem Einzug erzählt uns Jessie.

Dies ist mein erstes Buch von Eve Chase. Sie schreibt flüssig und steigert die unterschwellige Spannung langsam aber stetig. Ich kann mich in beide Zeiten, 1959 und 2009 gut hineinversetzen. Alle Charaktere, insbesondere Margot und Jessie, die Erzählerinnen, sind sehr gut beschrieben. Ich möchte sie hier nicht näher beschreiben, sonst spoiler ich. 

Als ich das Buch aus der Hand legte, hatte ich eine Gänsehaut. Ein Roman, von dem man sagen kann: der Kreis schließt sich.

Der Roman wurde übersetzt von Carolin Müller. Umschlagsmotiv © Evelina Kremsdorf/Trevillion Images

Das Buch wurde veröffentlicht bei Blanvalet Verlag, in derVerlagsgruppe Random House GmbH, München.

Tania Krätschmar

Ein Roman für Naturfreunde


Wie der Titel schon andeutet, gibt es zu diesem Buch schon einen Vorläufer. "Eva und die Apfelfrauen" muss man aber nicht gelesen haben, um in diesen Roman einzusteigen. Es geht um fünf Freundinnen und einen Apfelhof, in dem es sehr viele verschiedene Apfelsorten gibt. Der Apfelhof gehört den Freundinnen, er wird jedoch bewohnt und verwaltet von einer weiteren Frau namens Dani. 

Danis Partner gewinnt eine Reise für zwei Personen zur Chinesischen Mauer. Einen Haken gibt es dabei: die Reise muss umgehend angetreten werden. Aber es ist mitten in der Apfelernte. Hinzu kommt, dass Wannsee touristisch erschlossen werden soll und Dani einen Antrag auf ein Apfelbaumhotel gestellt hat. Die Freundinnen halten natürlich zusammen und reisen gemeinsam nach Wannsee, um den Hof vor Besichtigung der zuständigen Kommission herzurichten. 

Doch was erleben sie dort? Gegenüber will ein eingebildeter Lackaffe ein Spielcasino errichten! Ob nun noch alles gut geht? 

Außerdem lernen sie einen Naturburschen kennen, der sie bittet, im Apfelgarten zelten zu dürfen. Als Gegenleistung hilft er ihnen bei der Arbeit. Aber so ganz koscher erschient ihnen dieser auch nicht. 

Die anstehende Arbeit, die erledigt werden muss, bis die zuständige Kommission erscheint: Das Fallobst liegt "meterhoch" zwischen den Reihen und muss aussortiert werden. Die schlechten Äpfel wandern auf den Kompost. Mit den besseren und den frisch gepflückten Äpfeln wird gekocht und gebacken. Zusätzlich wird Saft hergestellt.

Tania Krätschmars Roman kommt für meine Begriffe erst langsam auf Touren. Doch dann setzt sich ihre flüssige Feder durch. Ich kann mir alle fünf Freundinnen gut vorstellen, ob sie nun zickig sind oder liebevoll miteinander umgehen. Sie sind, wie es sich für Freunde gehört, füreinander da. Allerdings wurde es mir etwas zuviel mit den Mahlzeiten. An jedem Tag etwas mit Äpfeln, manchmal sogar mittags und abends, nein, da wäre ich laufen gegangen. Obwohl, die Rezepte hören sich sehr gut an. So sind im Anhang auch gleich fünf Rezepte abgedruckt.

Ich denke, dies ist ein Frauenroman für Menschen, die gerne etwas über Bäume allgemein und Apfelbäume im Besonderen lernen möchten. Ich wußte auch nicht, wie viele Sorten von Äpfeln es gibt. 

Der Roman erscheint im Verlag blanvalet.

Karin Slaughter - Ein Teil von ihr

Ein Thriller, den man mit in den nächsten Tag nimmt


Das Cover ist blau, es zeigt u.a. ein zerkratztes Frauenfoto. Es macht auf jeden Fall neugierig.

Karin Slaughters Roman "Ein Teil von ihr" geht an die Grenzen. Andrea ist mit ihrer Mutter zu ihrem 31. Geburtstag in einem großen Center zum Essen. Von jetzt auf gleich ändert sich ihr gesamtes Leben. Bei einer Schießerei schützt Laura ihre Tochter, indem sie sich direkt vor den Täter stellt und ein Messer mit der Hand abfängt. Dieses Messer, das durch den Handrücken herauskommt, wird zur Verteidigungswaffe. Andreas Mutter bringt den Angreifer damit um. Laura kommt schwerverletzt ins Krankenhaus. Sie wird operiert und lässt sich schnell wieder entlassen.

Dieser Vorfall aus dem Center wird immer und immer wieder im TV gezeigt. Ein Anwesender hat alles gefilmt.


Laura schickt ihre Tochter fort. Sie ist nicht wiederzuerkennen, so kalt ist sie Andrea gegenüber. Sie scheucht sie mit aller Gewalt fort, weil sie schon lange gesucht und verfolgt wird. Das weiß Andy aber nicht. Ihre Tochter kann nicht ahnen, wer diese Frau wirklich ist. Sie folgt der Anordnung ihrer Mutter, doch sie kommt dem Geheimnis um deren wahre Identität auf die Spur. Ihr gesamtes Leben scheint auf einer Lüge aufgebaut zu sein. 

Durch ihre Neugier bringt Andy nicht nur ihre Mutter in allergrößte Gefahr. 

Der Roman wird in zwei Zeiten erzählt. 1986: Ein charismatischer Mann vermag eine Menge Menschen um sich zu versammeln und zu manipulieren. 2018: die oben genannte Schießerei und der Beginn vom Ende. 
Es mag einige stören, dass die Zeit in 1986 sehr ausfühlich beschrieben wurde. Aber wir müssen ja auch verstehen, weshalb alles so gekommen ist. Die Vergangenheit wird aus der Sicht von Andys Mutter berichtet. Die Neuzeit aus Andys Sicht, die ja von der Vergangenheit nichts weiß.

Karin Slaughter hat wieder einmal einen superspannenden Thriller geschrieben. Durch den Wechsel zwischen den Zeiten wird er immer spannender. Ihre bekannt flüssige Sprache lässt die Seiten dahinfliegen. Ich habe jede einzelne Zeile genossen. 

Das Cover mit dem zerkratzte Frauenfoto weist darauf m.E. darauf hin, wie sich Andreas Bild von ihrer sanften Mutter immer mehr verändert. 

Karin Slaughter hat zwei passende Zitate von Emily Dickinson ins Buch eingefügt. Sie sind aus Emily Dickinson, Sämtliche Gedichte, mit Genehmigung des Carl Hanser Verlags erfolgt.

Der Roman wurde veröffentlicht bei HarperCollins.

Original erschienen bei: William Morrow, New York
Veröffentlicht bei HarperCollins Publishers

Brita Rose Billert - INDIAN COWBOY - Die Nacht der Wölfe -

Freundschaft und Loyalität über alles


Ryan Black Hawk ist ein 16-jähriger Lakota-Indianer. Rauschgift und Alkohol spornen ihn an bei illegalen Autorennen. Die Frauen liegen ihm zu Füßen. Als zwei Freunde ihn zuhause "abstellen", vollgedröhnt wie er ist, versteht es sein Vater, ihm diese Angewohnheiten umgehend abzugewöhnen. Seine Freunde dagegen verunglücken tödlich. Ryan bemüht sich von Stund an, bei seinem Vater sein Gesicht wieder zu gewinnen. Alkohol und Rauschmittel rührt er niemals wieder an.

Er hilft auf der Pferderanch seines Vaters, soweit er kann. Doch es sieht schlecht aus. Seine Mutter wird krank, die Kosten für das Krankenhaus und die Medizin gehen bis an die Grenzen. Damit sein Vater die Pferde nicht verkaufen muss, verdingt er sich als Cowboy bei einem weißen Mann. Dort wird er ausgenutzt und über den Tisch gezogen. 


Er teilt seinem Vater mit, dass er sich zum Erhalt der Ranch für seine Familie - Großmutter, Eltern, zwei Brüder und sich selbst - bei der US Army melden wird. Dieser warnt ihn, war er doch selbst in Vietnam und kann diese Kämpfe nicht vergessen. Doch er lässt sich nicht abhalten und verlässt das Reservat.

Ryan tritt 18-jährig in die Army ein. Er beginnt seine Grundausbildung in der Ellsworth Airforce Base der US Army. Er lernt einen wirklich guten Freund kennen und achten. Er ist richtig gut als Soldat und seine Vorgesetzten setzen auf ihn. Das passt den wenigsten, insbesondere weil er ein Indianer ist. Zuhause lässt er sich nur noch selten sehen.

Man lebt und bangt mit Ryan. Seine Großmutter, der Medizinmann und Ryan selbst haben die Gabe zu träumen. Ryan kann die Träume noch nicht deuten, doch die alten Indianer geben ihm Hilfestellung.

Die Autorin Brita Rose-Billert hat einen so tollen Abenteuerroman geschrieben, der spannend von der ersten bis zur letzten Seite ist. Sie zeigt die Probleme, die die Ureinwohner Amerikas mit den Weißen haben - und vor allem umgekehrt. Die Charaktere sind super herausgearbeitet. Ich bin jetzt schon ganz gespannt auf den nächsten Teil, denn dankenswerter Weise zeigt uns die Autorin, dass es einen zweiten Teil gibt. Sonst wäre ich auch ganz enttäuscht vom Ende.

"Indian Cowboy  -  Die Nacht der Wölfe" lässt sich flüssig lesen und hat das Zeug dazu, ganz groß rauszukommen. 
Er ist ab dem Teenageralter bis zum Alter gut zu lesen. Er wird von mir mit der höchsten Benotung versehen.

Das Cover ist versehen mit einem jagenden Wolf im Schnee über der Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika. Es wurde von Robert Billert entworfen.

Der Roman wurde veröffentlicht bei BoD Books on Demand, Norderstedt.

Ingar Johnsrud - Der Bote

Ein Roman, der dem Leser alles abverlangt


Das Cover macht neugierig, ein Holzhaus im eisigen Winter - dieses ist im Roman beschrieben. 

Mit "Der Bote" schreibt Ingar Johnsrud den zweiten Thriller um den Ermittler Fredrik Beier. Der Roman ist gut lesbar, ohne das erste Buch "Der Hirte" zu kennen.

Kafa Iqbal, die seit einem halben Jahr bei der Osloer Kriminalpolizei tätig ist, übernimmt ihren ersten eigenen Fall als leitende Ermittlerin. In der Villa einer alten Witwe wird die Leiche eines Mannes gefunden. Der Mann ist noch nicht lange tot. Man stellt fest, dass er Axel Thrane und damit der Sohn der Besitzerin ist. Aber dieser ist offiziell bereits vor 20 Jahren verstorben. Von der Witwe, der die Villa gehört, fehlt jede Spur.

In einem Abwasserkanal wird am anderen Ende der Stadt eine weitere Leiche gefunden. Der Mann wurde vor seinem Tod schwerstens gefoltert. Hauptkommissar Fredrik Beier und sein Kollege Andreas stellen bald fest, dass die beiden Leichen eine gemeinsame Vergangenheit haben. Diese reicht bis zum Fall der Sowjetunion zurück. Allerdings wird die Lösung des Falls erschwert. Wer hat heute noch diese Verbindungen, dass Unterlagen verschwinden?

Ingar Johnsrud lässt uns Leser immer wieder zwischendurch an einer Militäraktion 1992 teilhaben. Fünf Soldaten an der russischen Grenze - und eine tödliche Waffe, die existiert, aber nicht existieren darf.

Fredrik Beier ist ein guter Kriminalbeamter, der frisch aus dem Krankenhaus entlassen ist und dem einige Zeit fehlt. Er kann sich einfach nicht erinnern. Er muss starke Medikamente nehmen. Süchtig? Das darf der Leser entscheiden. Der Hauptkommissar ist hin- und hergerissen zwischen Exfrau, Lebensgefährtin, Sohn - letzterer lebt bei ihm und seiner Lebensgefährtin. Hinzu kommen Gefühle zu Kafa, seiner Kollegin, mit der er jetzt wieder einmal zusammenarbeitet. Sie gibt ihm persönliche Hilfestellung, als er sich von den anderen beiden Frauen gegängelt fühlt.

Das Buch ist ein starker Thriller, der Spionageroman und Krimi in sich vereint. Die zwei Handlungsstränge haben erst mal nichts miteinander zu tun. Deshalb habe ich so manches Mal zurückblättern müssen. Man muss sich sehr konzentrieren.  Doch wenn der Zusammenhang klar ist, kann man nicht schnell genug lesen. Die Spannung steigt - man wird atemlos. Bis zur allerletzten Überraschung auf der letzten Seite. 

Das Buch wurde übersetzt von Daniela Stilzebach und veröffentlicht im Verlag blanvalet.

Der dritte Roman von Ingar Johnsrud um den Ermittler Fredrik Beier ist noch nicht auf dem deutschen Markt erschienen. 

Joanna Martin - Deine Stimme in meinen Träumen

Ein Roman um verpasste Möglichkeiten



Christiane zieht zurück in ihre Heimatstadt Schutzingen. Hier möchte sie nicht nur ihrer Großmutter, die im Altenheim ist, nahe sein. Auch ihr Freund Stefan wohnt in dieser Kleinstadt. Sie sehnt sich nach Sicherheit, die sie bei ihm finden wird. Sie selbst wird schnell eine Anstellung in einer Bank finden, da hat sie keine Zweifel.

Obwohl Chrissie ein Zahlenmensch ist, ist sie leicht chaotisch. Das liegt wohl an ihrer Mutter, die ihr Leben stets lebt, wie sie will. Aus diesem Grund wuchs Christiane auch überwiegend bei ihrer Oma auf.

Ihr Freund Stefan ist dagegen ein ganz anderer Mensch. Seine Wohnung sieht aus wie ein Schaufenster, jedes Teil hat seinen Platz. Als Chrissie ihn besucht, wagt er es sogar, ihr einen Tintenklecks mit Spucke aus dem Gesicht zu wischen. (Igitt! - Anm. von mir)


Bevor sie freudestrahlend ihre Großmutter Elisabeth im Heim besuchen kann, erhält sie den Anruf, diese sei verstorben. Christiane ist untröstlich, hat sie sie doch über alles geliebt. - Nach der Beerdigung, auf der sie sich für ihre Mutter fremdschämt, weil diese ein Indianerlied mit Trommeln aufführt und Werbung für ihre Schwitzhütten-Zeremonien macht, erhält sie einen Brief ihrer Oma.

Sie soll deren letzten Wunsch erfüllen. Sie findet einen Stapel Liebesbriefe. Diese sind allerdings nicht an ihren bereits verstorbenen Opa gerichtet, sondern an einen fremden Mann. Dieser Mann soll die Briefe nun erhalten. Sollte er tot sein, möge Chrissie sie doch auf sein Grab legen. Sie lässt alles stehen und liegen und fliegt nach Kanada, um den eindringlichen Wunsch ihrer Oma zu erfüllen.

Eine Reise ohne absehbares Ende beginnt. Während dieser Reise lernt sie Robert kennen. Er ist der Enkel von Wilhelm, der großen Liebe ihrer Oma. Auch sich selbst sieht sie plötzlich mit ganz anderen Augen.

Die Geschichte ist flüssig zu lesen. Zeitlich erleben wir die Liebe von Elisabeth und Wilhelm von Beginn an über den Nachlass der Briefe, und wir erleben noch Überraschungen.

Wer sich wundert, dass Chrissies eigene Geschichte etwas vorhersehbar ist, sollte nicht vergessen, dass es um Elisabeth und Wilhelm geht! Chrissie ist ein Mensch, der sich gut in andere hineinversetzen kann, es dauert sie, dass diese Liebe sich nicht so erfüllen konnte. Sie merkt, dass sie selbst sich sehr viel nach anderen richtet. Ob sie sich ändert?

Joanna Martin ist eine tolle Autorin, sie beschreibt die wunderbare Natur Kanadas, man merkt, dass sie dort nicht nur im Urlaub war, sondern auch zwei Jahre in Kanada lebte.

Dieser nette, kurze Urlaubsroman erscheint im FeuerWerkeVerlag. Ich denke, wir sollten sie anspornen, weiter zu schreiben.



Galax Acheronian - Die Gefühle der Anderen

Ein ganz tolles und spannendes Jugendbuch, das im Jahr 1973 spielt


Stellt euch vor, ihr könnt die Gefühle anderer Menschen empfinden. So ergeht es unserem 16-jährigen Freund Justin. Es ist ganz schlimm. Wenn jemand sich freut, geht es ja noch, dann freut Justin sich auch. Aber wehe, der andere hat Angst! Und wenn derjenige aggressiv ist, wird Justin auch aggressiv. - 

Seine Eltern und die Ärzte denken, er sei schwer erkrankt. Doch ein Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt ändert nichts an seinen Empfindungen. Nach seiner Entlassung zieht die Familie im Oktober 1973 aus Boston in die Provinz. Hier sei der Junge nicht so vielen Einflüssen ausgesetzt, denken alle und setzen den Umzug als letzte Therapie ein.


Aber es stimmt. Justin fühlt nun mal, was andere fühlen. Er hat Angst vor der neuen Schule. Doch als er sich neben seinen neuen Banknachbarn setzt, merkt er, dass er diesen als seinen "Schild" benutzen kann. So sind die Einflüsse seiner Klassenkameraden nicht mehr ganz so schlimm....

Plötzlich geschehen an der Schule unerklärliche Dinge, ein Mädchen rennt schreiend weg und Justin bekommt eine geballte Ladung Angst zu spüren.

Mit seinem Banknachbarn Koryo, einem japanisch-chinesischen Jungen, entwickelt sich sehr schnell eine enge und tiefe Freundschaft. Seine Eltern freut dies sehr. Sie hätten nicht gedacht, dass Justin hier so schnell Fuss fasst.

Gemeinsam mit Koryo macht sich Justin auf die Suche nach der Ursache der Vorkommnisse in der Schule. Sie entdecken ein 30 Jahre altes Geheimnis, das sie an ihrem Verstand zweifeln lässt.

Kann der Empath dabei helfen, dass wieder Ruhe in die Schule einkehrt? - Der Roman wird, je weiter man liest, immer spannender und spitzt sich bis zur Lösung des Geheimnisses absolut zu. Atemberaubend!

Galax Acheronian hat eine wunderbare bildliche Sprache. Ich kann während des Lesens hören, wie Blätter fallen und friere mit ihm auf dem Rad. Alle Gefühle, die Justin empfängt, empfängt der Leser ebenso. 

Das Buch ist ein Jugendrodrama, das Mystik und Fantasie genügend Platz lässt. Es ist aber auch für Erwachsene geeignet, die sich dazu nicht zu alt fühlen und ein wenig ihr Herz öffnen.

Das Cover zeigt graphisch eine Schule und im Vordergrund zwei Jungen. Es weist darauf hin, dass das Buch gruselig sein könnte. Dieses Cover regt zum Kauf an.

Es erscheint im Hybrid Verlag. Ich kann es voll und ganz empfehlen.

Anna Neunsiegel - Goulard Saga 3

Es wird immer spannender


Im dritten Teil der Goulard Saga lässt uns Anna Neunsiegel wieder an der richtigen Stelle mit offenen Fragen zurück. Vor allem zittern wir mit Eonie um ihr Leben. Ja, soweit ist es schon, man trachtet ihr nach demselben.

Doch als erstes zeigt die Autorin für Leser, die erst jetzt einsteigen, einen kurzen Zeitraffer über die Ereignisse der ersten beiden Teile auf.

Neu im 3. Teil: Eonie und ihr Verhältnis zu den Weinsteins ändert sich, wie, das wird hier nicht verraten. Allerdings kann ich eines versprechen, das Verhältnis zu ihrem Vater wird viel, viel schlechter. Hinzu kommen neue Gestalten, die dem Mädchen nicht geheuer sind. Zu Recht!!

Man kann hier nicht viel schreiben, ohne zu spoilern. Eins sei gesagt, in diesen 135 Seiten ist so viel Fantasy und Spannung untergebracht, dass ich den 4. Teil kaum noch erwarten kann.

Andreas Lukas - Die ungleichen Gleichen

Darüber macht sich niemand Gedanken, oder?


Zwei Fremde in einer fremden Umgebung - sie kennen niemanden, sie sind einsam. Das Schlimmste ist, sie sind zeitgleich in der Vergangenheit und an einem anderen Ort. Sie können sich nicht trennen von ihrer Heimat. Doch sie müssen! Das Schicksal hat es genau so vorgesehen.

Dario ist ein Flüchtling aus einem Kriegsgebiet, in dem Amerikaner und Russen gegen Terroristen kämpfen. Er ist gegen den Willen seiner Großmutter, zu der er ein ganz tolles Verhältnis hat, nach Deutschland gekommen. Hier lernt er jetzt Deutsch und kann sich recht schnell verständigen. Allerdings ist er noch zu schüchtern, um auf Menschen zuzugehen. - Auch hat er den Kopf noch zu voll mit den Kriegsereignissen, die er erlebte und er weiß nicht, was mit seiner Familie zu Hause ist.


Ann-Kathrin kommt aus einer ländlichen Gegend in dieselbe Stadt, um zu studieren. Auch sie hat ein wunderbares Verhältnis zu ihrem Großvater, der bei ihr den nicht mehr vorhandenen Vater ersetzt. So unterhält sie sich in Gedanken oft mit ihm, wenn sie Rat braucht, aber oft schleicht er sich auch so in ihre Gedankenwelt.

Die beiden jungen Menschen fühlen sich noch ziemlich verloren in der Stadt. Doch sie lieben das gleiche Café und lernen sich kennen.

Andreas Lukas hat sich eines schweren Themas angenommen. Gerade in der heutigen Zeit wird sehr viel pauschalisiert und über einen Kamm geschoren. Junge Menschen sind damit vielleicht noch nicht so schnell bei der Hand. Das ließe hoffen.

Diese Geschichte kann genau so passieren, ist vielleicht auch genauso passiert. Wir wissen alle, wie sehr wir geprägt sind durch unsere Vergangenheit. Doch wie schlimm ist es, sich erst im Jetzt und kurz darauf in der Heimat zu befinden, sei es auch nur in Gedanken. Doch vielleicht gibt es eine Zukunft für die beiden Protagonisten. Ich hoffe auch, sie können mit den schlimmen Gedanken gemeinsam besser umgehen.

Der Autor Andreas Lukas hat eine ruhige Art, uns durch diesen Roman zu führen. Das heißt nicht, dass es an irgendeiner Stelle langweilig wird. Im Gegenteil, ich konnte kaum erwarten, wie es weiter geht. Seine Sprache ist stimmig und angenehm klar. Er beschreibt die beiden jungen Menschen und ihre Gefühle, als sei er dabei gewesen - was er im gewissen Sinne ja auch war.

Das Cover ist sehr ansprechend und bunt, die Profile der Menschen darauf passen zum Inhalt.

Ich danke dem Verlag Spica. Ich freue mich, dass ich dieses Buch lesen und rezensieren durfte.

Pia Hepke - Wintermagie ~ Schneeflockenküsse und Sternenstaub

Eine wunderbare Weihnachtsgeschichte


Wer das Cover von "Wintermagie - Schneeflockenküsse und Sternenstaub" von weitem sieht, fühlt sich mit Sicherheit schon befleißigt, das Buch in die Hand zu nehmen. Marie Graßhoff, die das Cover gemacht hat, hat sich selbst übertroffen. Auf blauem Grund sieht man Sterne, Sternschnuppen und Schneeflocken, dazwischen einen Mann, eine Frau und einen aufmerksamen Hund. Die Schrift ist goldfarben.

Susann, die Hauptperson,  hat eine ganz schlimme Erfahrung machen müssen. Kurz vor der Hochzeit hat sich ihr Partner aus dem Staub gemacht. Alles war vorbereitet. Jetzt war alles für die Katz. Ihr Geld ist auch futsch. Sie ist mehr als untröstlich, ihr Herz gebrochen. Gott sei Dank hat sie eine Familie, die für sie da ist und sie auffängt. Mit dieser möchte sie die Zeit bis und über Weihnachten in einer Waldhütte in den Bergen verbringen und hofft, sich dabei wieder zu regenerieren. 


Doch es kommt anders: ein Fremder steht vor der Tür und begehrt Einlass. Wie es aussieht, wurde die Hütte doppelt verpachtet. Susann hat die schlimmsten Vorstellungen, sei es, dass der Fremde Nikolas ein Verbrecher ist, der bei ihnen Unterschlupf sucht, SIE jedenfalls traut ihm nicht über den Weg. Soll die ganze geplante Erholung jetzt hin sein? Susi jedenfalls verlässt die Hütte nicht mehr ohne ihre geliebte Huskyhündin Jodie.  ...  Mich machte stutzig, dass die Eltern und Lydia, Susanns Schwester, ihn so ohne Weiteres akzeptieren. Deshalb dachte ich erst, sie hätten die Finger im Spiel. Doch weit gefehlt. 

Pia Hepke hat sämtliche Charaktere wunderbar dargestellt. Die Protagonisten könnte ich persönlich kennen. Ihre Eltern, ihre Schwester Lydia, die eine ganz tolle Freundin ist und natürlich auch die Hauptperson Susi selbst, wer kennt sie nicht? Die Autorin hat einen wunderbaren und flüssigen Schreibstil, sie hat es geschafft, ein Buch für die jungen Erwachsenen und auch für ältere zu schreiben, denn wer mag nicht ein wenig Wintermagie. Leider ist das Buch viel zu schnell ausgelesen. Doch wir müssen uns mit Susann gemeinsam abfinden: Schneeflockenküsse und Sternenstaub gibt es nur begrenzte Zeit. 

Das Buch ist aus Susanns Sicht in der ich-Form in 19 Kapiteln geschrieben.

Ich danke Pia Hepke für die Zurverfügungstellung des e-Books, die keine Auswirkung auf meine Rezension hat. Das Buch ist als Taschenbuch und e-Book erhaltlich. Eine wunderbare Arbeit.

Luke Allnutt - Der Himmel gehört uns

Ein erschütterndes Schicksal


Es gibt Menschen, die haben das Glück und finden die einzige Person, die zu ihnen passt. So ergeht es Rob, er findet seine große Liebe Anna während des Studiums. Sie heiraten. 

Die beiden können unterschiedlicher nicht sein. Anna möchte alles geordnet und geplant haben, so auch in ihrem Beruf, sie ist nach dem Studium Wirtschaftsprüferin. Rob dagegen ist ein typischer Nerd (Computerfreak), der seine Träume für seine Programme noch ausleben muss. Doch auch er hat beruflich ganz großes Glück. 

Alles scheint vollkommen. Anna und Rob sind nicht nur ein glückliches Ehepaar, sie sind auch die besten Freunde. Sie gehen durch dick und dünn, und ihre Liebe wird belohnt. Doch dann ziehen dunkle Wolken auf.



Erst dachte ich, ich werde jetzt  eine zweite "Lovestory" lesen, doch weit gefehlt! Als Leser geht man durch ein Wechselbad der Gefühle. Ich möchte  NIEMALS  mit den beiden tauschen müssen! 

Dieses Buch ist unbeschreiblich emotional aus der Sicht Robs in der Ich-Form geschrieben. Es lässt sich wunderbar lesen und man kann sich sehr gut in alles hineinversetzen. Die Handlung verlässt einen nicht, wenn man das Buch einmal aus der Hand legt. So ging es mir, ich nahm die Handlung mit in den nächsten Tag und konnte nicht erwarten, weiter zu lesen.

Es ist kaum vorstellbar, dass der Autor nicht alles genau so erlebt hat.

Luke Allnutt, gebürtiger Brite, lebt in Prag. Er hat ein hervorragendes Buch geschrieben und ich war sehr froh zu lesen, dass mit ihm und seiner Familie aktuell alles in Ordnung ist. Er bekommt vom mir die Höchstpunktzahl.

Das Buch erscheint im Verlag blanvalet, z.Z. broschiert und als e-Book. Es wurde übersetzt von Veronika Dünninger.

Lilian Kim - Die Tochter des Pianisten

In ständiger Bedrohung leben


Die japanische Musikerin Yasumo geht mit ihrem amerikanischen Mann 1987 am Strand von Niigata spazieren. Sie wollen sich über ihren Umzug nach Amerika unterhalten. Plötzlich werden beide auf ein Schiff entführt. Alles ist sehr bedrohlich, allerdings scheint sich ihr Ehemann rasch mit den Gegebenheiten abzufinden.

Damit beginnt ein schreckliches Martyrium für die junge Frau. Sie wird in die Demokratische Republik Korea entführt, umgangssprachlich Nordkorea genannt. Sie merkt sehr schnell, dass die sogenannte Demokratie nur ein Aushängeschild ist. Es leben viele entführte Menschen hier und müssen springen, wie es das Regime wünscht. Hier wird jede menschliche Regung unterdrückt und viele der Entführten werden erpresst und handeln nach dem Willen des Regimes, weil sonst ihre Familienangehörigen darunter leiden müssten. 

Yasumo lernt kaum Menschen kennen, die normal leben. Alle scheinen Angst zu haben. Sie selbst wurde entführt, um die Nordkoreaner in Sprache und Kultur der Japaner zu unterrichten. Sie erfährt erst sehr spät, dass sie Terroristen ausbildet. Doch was soll sie tun, ohne ihr eigenes Leben zu riskieren?



Ihren Mann Jake sieht sie kaum. Sie glaubt, er hat die ganze Sache mit eingefädelt. Als sie verzweifelt und zum Allerschlimmsten entschlossen ist, wird sie von einem Mann zurückgehalten, von dem sie es nicht erwartet hätte. Er sorgt dafür, dass sie für ihre Tat nicht in ein Lager kommt.

Über diese furchtbare Zeit von 1987-1988 schreibt Lilian Kim in 20 Kapiteln. Sie hätte sehr gut ein ganzes Buch darüber schreiben können, dann hätte man die Ängste, die die Protagonisten empfinden, noch besser nachvollziehen können. 

So hat sie jedoch die Zeit bis 2016 überbrückt und beschreibt die Endzwanzigerin Sarah, die Probleme mit ihren Adoptiveltern hat und sich mit ihrer besten Freundin auf die Suche nach ihren richtigen Eltern macht. Auch dieser 2. Teil des Buches, der weitere 20 Kapitel umfasst, hätte ein ganzes Buch gefüllt. Da die Autorin die einzelnen Protagonisten auch selbst berichten lässt, was uns aus der Zeit zwischen 1988 und 2016 fehlt, ist alles schön abgerundet. 

Der Roman "Die Tochter des Pianisten" ist ein mitreissendes Buch über Hoffnung - und dass man niemals aufgeben sollte. Lilian Kim schreibt sehr abwechslungsreich und spannend. Sie hat eine wunderbare Sprache und ich habe alles vor mir sehen können. Insbesondere mit Sarah habe ich gelitten. Mit dem Ende hätte ich niemals gerechnet, da war ich wohl etwas langsam.

Bernhard Aichner - Bösland

Ein perfides Spiel um Schuld


Bernhard Aichner beschreibt in seinem Roman "Bösland", dass ein kleiner Junge an seinem 10. Geburtstag 1984 seinen erhängten Vater auf dem Dachboden findet. Es ist sein verhasster Vater, der ihn immer dorthin ins Bösland zitierte und ihn aufs Schlimmste verprügelte, ob er nun etwas getan hatte oder nicht. Ben, der kleine Junge, ist fasziniert von seinem dort baumelnden Vater und - erleichtert, gar glücklich. Dann feiert er erst mal mit seinem Freund Kux, Sohn des angesehenen Dorfarztes, der gar nicht mit ihm, dem Sohn des Trinkers verkehren darf, seinen Geburtstag. Jetzt hat er ja einen doppelten Grund.

Als Ben 13 Jahre alt ist, wird er auf eben jenem Dachboden neben der Leiche eines Mädchens gefunden. Er ist blutbesudelt. Man nimmt ihn mit. Für ganz lange Zeit spricht er nicht. Er kommt in die Psychiatrie. Niemand besucht ihn. Irgendwie lebt er mit seiner Schuld, kann er sich doch an nichts erinnern. 

Noch nach 30 Jahren gräbt er mit fachlicher Hilfe in seiner Vergangenheit. Er sucht die Stätte seiner Kindheit auf und findet seinen Freund Kux wieder. Alles läuft seinen Gang, bis ein weiterer Mord geschieht!

Bernhard Aichner versteht es, seine Leser mitzunehmen. Ein Teil seiner Kapitel sind Dialoge. Durch die Kürze der Kapitel hält er die Spannung sehr hoch. Es ist schon schlimm, wie viel Bosheit in einem kleinen Jungen steckt und sich anschließend weiterentwickeln kann. 

Die Protagonisten sind sämtlich sehr gut beschrieben, ich kann mich in sie hineinversetzen. Andererseits muss ich mich schütteln vor der Abgebrühtheit mancher Menschen. Aber ich bin überzeugt, dass es genau solche gibt. 

Dieses Buch macht von Anfang an neugierig und wird immer spannender. Ein guter Roman ist hier gelungen. Ich freu mich auf den nächsten.

Das Buch erscheint im Verlag btb/Random House.

Peter Starck - KHA • DER ANFANG

Ein starkes Stück Steinzeit


Vor 33.000 Jahren: Der zehnjährige Kha folgt seiner älteren Freundin Oa, die davor flüchtet, dem hässlichen Schamanen zu dienen. Sie verlässt den Klan und Kha möchte seine heißgeliebte und vertraute Oa nicht ohne Schutz ziehen lassen. Sie ziehen hinaus in die unbekannte Welt, die viele Gefahren für die beiden bereit hält. Gott sei Dank ist Oa in vielen Dingen bewandert und kann sie erst mal vor Bösem beschützen und ernähren. Das soll sich ändern, bald schon treffen sie auf unbekannte Menschen, die ihnen nicht gut gesonnen sind.

Kha lernt viel auf seiner fünf Jahre dauernden Wanderschaft. Er lernt unterschiedliche sonderbare wie auch gefährliche Menschen kennen. Für ihn steht an erster Stelle das Überleben, an zweiter Stelle jedoch, in Höhlen zu malen. Durch das Malen können die Tiergötter um ihren Schutz angerufen werden. 

Seine Reise stärkt ihn, er kehrt nach Hause zurück und kann den Daheimgebliebenen, die nicht damit rechnen, dass er überlebt hat, viel berichten. Doch die größte Gefahr erwartet ihn noch.

Peter Starck hat einen tollen Roman geschrieben, als sei er selbst in der Steinzeit dabei gewesen. Besonders Oa hat mir gut gefallen, so eine kluge junge Frau, die jagen kann und weiß, wie man Sprachen lernt - soweit das mit den Fremden möglich ist. Kha wiederum hat von Oa gelernt.

Das Ende des Romans lässt hoffen, dass es ein weiteres Buch mit Kha geben wird. Mich würde das sehr freuen.

Peter Starck hat einen flüssigen Schreibstil. Ich mochte das Buch nicht aus der Hand legen. Es gibt Spannungswellen: Ist mal wieder für einige Zeit Ruhe eingekehrt, wird es urplötzlich für die Protagonisten äußerst eng. Ich habe mit Oa und Kha gelitten und auf das Beste gehofft. - Mit dem Ende habe ich nicht rechnen können.

Peter Starck hat sich viele Gedanken über das Leben in der Steinzeit gemacht. Auch ich bin jetzt klüger als zuvor. Warum soll nicht alles so gewesen sein?

Das in 15 Kapitel unterteilte Buch mit 343 Seiten wurde im Verlag tredition veröffentlicht.

Verena Dahms - Deine Küsse schmecken wie frische Erdbeeren

Freiheit und Gleichheit - in den 20ern des letzten Jahrhunderts


Vorab, es handelt sich, trotz des Titels, nicht um eine seichte Liebesgeschichte! 

Amélie, Tochter aus dem Hause eines angesehenen Weinbauern in der Dordogne und seiner Frau, die aus einem der besten Häuser in Paris stammt, hat zwei Brüder. Der ältere der beiden ist Louis, ein musikalisch begabter junger Mann, der jedoch vom Vater nicht für voll genommen wird, ja eher noch gemieden. Der jüngere ist Benjamin, ein noch unfertiger Junge, mit dem "Maman" als einzigem nachsichtig umgeht.

Nach einem Besuch der Siedlung von Arbeiterhäusern, aus denen der Vater die ArbeiterInnen zur Weinlese rekrutiert, steht für sie fest: Sie wird Ärztin werden und als solche auf dem Land praktizieren.

Es gibt natürlich einen Riesenkampf mit ihren Eltern, vor allem mit ihrer Mutter, die besonders auf Etikette achtet und befürchtet, man werde auf die Familie herabsehen. Doch Amélie setzt sich durch und studiert.



Vor dem Hintergrund des Kampfes der Frauen für Gleichberechtigung, schildert uns Verena Dahms die Schwierigkeiten, die Frauen seinerzeit hatten, sich durchzusetzen. Amélie hat das Glück, aus dem Elternhaus herauszukommen, nicht heiraten und Kinderkriegen als Ziel haben zu müssen. Ihrem Bruder Louis, der die Musik über alles liebt, geht es leider anders; er darf seinen Neigungen nicht folgen, er soll das Weingut übernehmen. 

Natürlich kommt, wie es so sein muss und für uns alle ist, das "Leben dazwischen". Muss Amélie ihre Freiheiten aufgeben? - 

Natürlich hat Verena Dahms, eine tolle Autorin, die seit Jahren in der Dordogne wohnt, in diesem Roman die Liebe nicht vergessen. Deshalb hat die Autorin wohl diesen Titel gewählt, hinter dem man eigentlich einen Liebesroman vermutet. Aber weit gefehlt. Es ist schon eine Riesenanstrengung, die die Vorkämpferinnen für uns Frauen übernommen haben.

Es geht um die Emanzipation und Freiheit im Allgemeinen und im privaten Bereich - und wir sollten all den Frauen in allen Ländern danken, die seinerzeit  gegen die gesellschaftlichen Regeln verstießen und und für uns gekämpft haben.

Danke an Verena Dahms. Ein wunderbarer Roman ist jetzt ausgelesen. Ich freue mich auf den nächsten.

Das Cover wurde von Irene Repp kreiert. Das Buch wurde veröffentlicht im Verlag Tredition.

Marie Lacrosse - Das WEINGUT • In stürmischen Zeiten

Ein Dienstmädchen und der Sohn des Weingutes, kann das gutgehen?


Im Gebärhaus in Heidelberg wird ein Mädchen geboren und wächst in verschiedenen Waisenhäusern auf, bis es 1870 vom reichen Weinhändler Wilhelm Gebhardt in Speyer abgeholt wird, um in seinem Gutshaus in Weißenburg im Elsass als Dienstmädchen zu dienen. Er besteht darauf, dass es Irene sein muss, so habe seine Frau es einer Freundin versprochen. Den wahren Grund erfährt der werte Leser erst gegen Ende des Buches.

Im Weingut geht es Irene gut, so gut, wie es ihr bisher nie ging. Die Hausdame Frau Burger leitet sie gut an. Die Hausherrin Pauline scheint es auch gut mit ihr zu meinen und Irene fügt sich gut ins Haus ein. Sie teilt mit einem anderen Dienstmädchen die Kammer und freundet sich mit ihr an. Einzig die Tochter des Hauses Mathilde ist der Meinung, dass alles im Haus sich um sie selbst drehen muss und so kehrt sie auch immer ihren Stand gegenüber den Dienstboten unangemessen heraus. Sie ist äußerst missgünstig, insbesondere Irene gegenüber. Zur Familie gehört noch ein Sohn, Franz, der seine eigenen Ansichten hat und aus diesem Grunde häufig mit dem Vater aneinander gerät.

Es kommt, wie es kommen muss. Franz und Irene verlieben sich ineinander und Franz steht offen dafür ein, er will Irene heiraten. 

Seine Mutter Pauline ist gebürtige Französin, sein Vater Wilhelm Deutscher, weshalb Franz sich beim Deutsch-Französichen Krieg 1870/71 entscheiden muss, ob und auf welcher Seite er mitkämpft. 

Dieser Krieg ist gut recherchiert - zumindest glaube ich das, ich habe ihn ja auch nicht miterlebt -, aber besonders die Sinnlosigkeit eines jeden Krieges: Hunger, Verletzungen, Tote, Verwüstungen.

Franz wird fernab der Heimat schwerverletzt, seine Mutter und seine Verlobte Irene ahnen nichts davon. Wilhelm und Mathilde konterkarieren fleissig gegen die beiden. Wilhelm schreckt aber auch vor gar nichts zurück. Man kann mit Irene und Pauline nur leiden, aber vor allem mit Franz. 

Marie Lacrosse hat die Charaktere der Protagonisten wunderbar herausgearbeitet. Manchmal habe ich die Wut bekommen, doch zwischendurch doch immer wieder an das Gute im Menschen glauben können. Der Roman ist aus der Sicht von Irene und Franz, aber auch über die Hergänge im Weingut geschrieben. Er endet genau da, wo wir neugierig sind, wie die Handlung im zweiten Teil weitergeht. Gott sei Dank ist im Anhang des Buches der Prolog des zweiten Teils dieser Familiensage. Das lässt hoffen. Leider kommt dieser erst im Frühjahr 2019 heraus. 

Das Cover zeigt ein Gutshouse, so wie ich mir ein Weingut vorstellen kann. Das Buch ist als Printausgabe, eBook und Audio-Book erhältlich, es wurde verlegt bei Goldmann-Verlag.

Ich danke dem Bloggerportal / Randomhouse für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplares.

Anna Neunsiegel - Goulard Saga II

Jetzt wird es aber spannend

Über die zweiten Episode der Goulard Saga kann man nicht viel sagen, ohne Handlung zu verraten, deshalb fällt die Rezension so knapp aus.

Die Schattenwesen, die offenbar durch ein Leck in unserer Welt aufgetaucht sind, können von einige Menschen gesehen werden, andere dagegen ängstigen und schwer verletzen. Zusätzlich sind sie bei wieder anderen an gefährlichen Krankheiten schuld. 

Eonie, das Mädchen auf der Rheininsel versucht dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Sie sucht im Internet und findet jemanden/etwas. ...

Thorsten sucht bei ihr Hilfe, aber dennoch ist er nicht zu durchschauben. Er wird verfolgt. 

Die "Goldene Hand" versucht, großen Einfluss zu nehmen, zur Not mit Gewalt.

Anna Neunsiegel hat sich mit diesem Teil der Goulard Saga selbst getoppt. 
Die Saga fesselt immer mehr, die Personen sind noch weiter ausgearbeitet. Ihre Ausdrucksweise beeindruckt und lässt uns das Buch nicht aus der Hand legen.

Ach ja, und ich habe übrigens erfahren, was Goulard ist. - Absolut empfehlenswert! 

Dana Brandt - Wenn der Wind seine Flügel erhebt

Eine besonders anmutende Liebesgeschichte zweier Menschen


Sie hat es wieder einmal geschafft. Dana Brandts Geschichte hat mich ganz in ihren Bann gezogen. Diesmal hat sie einen Gay-Romance-Roman geschrieben. 

Elias, einem jungen Gärtner mit Asperger Syndrom, fällt im wahrsten Sinne des Wortes ein Mann ins Beet vor die Füße. Bevor er dies noch richtig verarbeiten kann, schaut dieser ihm in die Augen und gibt ihm einen Kuss.

Natürlich erwarten wir jetzt die große Liebe oder den One-Night-Stand. Doch es kommen Wirrungen auf beide zu. Denn Seamus, der Sen genannt wird, hat eine Vergangenheit, der er nicht entfliehen kann und Elias - na, das ist nicht so einfach, lest selbst. 

Die Autorin hat sich sehr mit dem Anderssein durch das Asperger Syndrom beschäftigt. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie jemandem kennt, der so ist wie Elias. Und sie weiß auch, wie sich solche Menschen fühlen und wie man ihnen nahe sein kann. 

Die Handlung wird überwiegend aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt. Es ist sehr realistisch, wie sie mit ihren Unsicherheiten umgehen. Zumindest glaube ich das, es macht den Reiz des Buches aus. 

Frau Brandt weist zu Anfang des Buches darauf hin, dass es nur von volljährigen Lesern gelesen werden sollte, die keinen Anstoss an sexuellen Handlungen zwischen Männern nehmen. Sie weist auch darauf hin, dass Erotik nur einen kleinen Anteil der Handlung ausmacht. Das kann ich bestätigen. 
Das ist nämlich nicht die Botschaft! 

Ich kann diesem Buch nur 5 Sterne geben. Dana Brandt hat nämlich eine einzigartige Art zu erzählen. Sie malt mit den Worten. Ich habe mich mitten in der Handlung wiedergefunden und sie ganz nah beobachtet.

Das Buch erschien im August 2018 im Weibsbilder-Verlag, die Umschlagsgestaltung hat sie wieder selbst übernommen.

Markus Theisen - Kreuzwege

Ein verzwickter Fall mit unvorhersehbarem Ausgang


Kommissar Weller ermittelt wieder in der Eifel. Ins streng katholische Dörfchen Beerenroth ist die protestantische Familie Bleck, Vater Joachim, Mutter Brigitte sowie Sohn Jakob aus beruflichen Gründen des Vater gezogen. Doch sie bekommen kein Bein auf die Erde. Der Sohn wird in der Schule gehänselt und geschlagen, mit der Mutter redet niemand bis auf eine Frau Babsi Schmitz, mit deren Tochter Henriette Jakob befreundet ist. Der Vater merkt durch die Arbeit wenig davon.

Am Morgen nach der Feldkircher Kirmes ist der zugezogene Joachim Bleck tot an einem Weg-Altar aufgefunden worden. Er hängt dort wie Jesus selbst gekreuzigt wurde, einzig, dass er mit Tauen festgemacht ist.

Weller stellt bei seinen Ermittlungen natürlich fest, dass die Familie Bleck, Vater, Mutter und Sohn Jakob in dem Dorf nicht gelitten wurden. Es ist einfach nicht zu glauben, wie verbohrt diese Dörfler sind. Aber es kann doch nicht nur an der Konfession liegen, dass ein Mensch getötet wird!? Seine Ermittlungen werden, wo es nur geht behindert. Dennoch wird bald ein Verdächtiger verhaftet.

Markus Theisen hat einen tollen Kriminalroman mit viel Lokalkolorit geschrieben, der immer spannender wird. Er hat aufgezeigt, was verbohrtes Kirchendenken verursachen kann. Letztendlich sind aber wir alle es selbst, die handeln. 

Da sollten wir uns ein Beispiel an Gott (Vorweg-wort) und am Pastor (während der gesamten Handlung und Hintendran) nehmen. Der Autor lässt seinen Kommissar 1976 ermitteln, doch ich bin überzeugt, auch heute gibt es noch so verbohrte Menschen und ganze Dörfer. Aber er hat dankenswerter Weise auch nicht den Humor dabei vergessen.

Markus Theisen hat einen lockeren Schreibstil und lässt uns bis zur Auflösung des Falls, bis ganz zum Schluss, auf dem Holzweg sein. Sollte mal bei uns in der Nähe eine Lesung stattfinden, bin ich mit Sicherheit dabei.

Das Cover zeigt ein Wegkreuz, passend zum Roman und macht schon mal neugierig. Veröffentlicht wurde das Buch bei smp / swb-verlag

Ernest van der Kwast - Die Eismacher

Die Geschichte des Eises aus der Sicht einer Eismacherfamilie


Die Familie Talamini lebt inmitten der malerischen Dolomiten. Der Ururgroßvater des Protagonisten Giovanni ist mit Freunden und Nachbarn 1891 auf die Idee gekommen, aus dem St. Gotthard-Tunnel Schnee und Eis zu ernten. Anschließend haben sie es um eine Trommel gepackt, Salz hinzugefügt, damit die Lösungswärme dem Inhalt die Wärme entzieht. In die Trommel kommt der Brei, der gerührt werden und immer wieder von der kalten Wand abgestreift werden muss. Drehen, drehen, drehen. Die Masse wird mehr und berkommt die richtige Konsistenz, doch man muss aufpassen. Drehen, drehen, drehen, das ist die Melodie, mit der die Familie lebt.

Natürlich wussten die Italiener nicht, dass auch auf anderen Flecken unserer Erde die gleichen Versuche mit Erfolg unternommen wurden. Ebenso wurde z.B. die Eistüte wahrscheinlich von einem aus Syrien stammenden Amerikaner erfunden.



Die Familie der Talaminis ist sehr erfolgreich, sie haben auch in Rotterdam ein Eiscafe. Giovanni hat einen jüngeren Bruder Luca, für den er immer da ist. Doch es kommt der Tag, als sich Giovanni dazu entscheidet, für die Literatur zu leben. Er ist sehr erfolgreich, veranstaltet  große Poetry Festivals und umgibt sich mit Schriftstellern. Sein Bruder spricht von Stund an kein Wort mehr mit ihm, hat er doch sein Leben der Familientradition vorgezogen. Sein jüngerer Bruder muss seinen Platz nun einnehmen. Allerdings im Privatleben bekommt Luca das schönste Mädchen des Dorfes, in das auch Giovanni verliebt war.

Wenn man sich die Geschichte der Talaminis ansieht, so merkt man, dass in jeder Generation das Eismachen mehr als Pflicht gesehen wird. Der Vater von Vater Guiseppe wird erst einmal Abenteurer, nachdem er durch den St. Gotthardttunnel verschwunden ist; Giovannis Vater wäre gerne Erfinder geworden, tja, und er selbst hat die Poesie.

Natürlich hat er ständig Kontakt zu seiner Familie, nur sein ehemals bester Freund, sein Bruder Luca, meidet ihn und spricht mehrere Jahre kein Wort mit ihm. Bis auf den Tag, als er an ihn herantritt und ihn um etwas Außergewöhnliches bittet.

Ernest van der Kwast hat eine wunderbare bildhafte Sprache, ich sehe alles vor mir und kann das Eis schmecken. Wortgewaltig berichtet er über das Leben einer Eismacherfamilie mit all ihren Sorgen und Nöten in Rotterdam und in den Bergen der Dolomiten. Besonders schön finde ich die Zitate der Schriftsteller/Poeten.

Das Buch erschien im April 2018 in der Taschenbuchausgabe bei btb und der Verlagsgruppe Random House. 

Timo Leibig - Nanos

Beängstigende Zukunftsvision hier in Deutschland


Stellt euch vor, eine Regierung möchte die totale Macht. Sie ist bereit, alles dafür zu tun.

Im Jahr 2021 finden  Forscher, die auf der Suche nach einem Mittel gegen Phobien sind, ein "kleines" Nebenprodukt, mit dem Menschen unbemerkt beeinflusst werden können - bis hin zur Emotionslosigkeit. 
Da die Menschen dieses kleine Nebenprodukt durch ein notwendiges Nahrungsmittel zu sich nehmen und nichts davon merken können, sind Türen und Tore zur absoluten Kontrolle der Deutschen Bevölkerung geöffnet. Das Grundgesetz wird geändert in eine Verfassung und die Macht wird anders verteilt. 

Doch was ist eine Macht ohne eine Revolution? Ja, auch diese gibt es. Auch wenn sich die Regierung dies nicht vorstellen kann. Aber es gibt Menschen, die auf die Kontrolle nicht reagieren, die etwas gegen die Regierung unternehmen wollen.

Dann haben wir Malek, er ist mit seinem Freund schon vor längerer Zeit aus dem Gefängnis ausgebrochen. Im Fernsehen hatte er dort bereits gesehen, dass sich die Welt draußen total verändert hat. Es gibt Gardisten, Konfessoren und einen größenwahnsinnigen Kanzler, der am liebsten bereits negative Blicke zum Anlass nimmt, seine Bürger abführen zu lassen. Wie das alles abläuft, hat Malek auch bereits im Knast hautnah miterleben müssen, als jemand seinen Mund zu weit aufriss.

Malek haust 2028 in einem Wohnwagen und würde dort wohl auch Jahrzehnte später noch hausen, wenn nicht eine verfolgte junge Frau zu ihm geflüchtet wäre. 
Die Kehlianer sind ihr eng auf den Fersen, doch vorher wollen andere Menschen sie vor den Verfolgern retten. Da man nicht weiß, ob Malek zu den Kehlianern gehört, greifen ihn die Revolutionäre gleich mit auf und nehmen ihn mit. Er überlebt. Nun muss er sich entscheiden, ob er mit/für die Revoluzzer arbeitet oder wie es wohl weitergehen soll mit ihm.
Unabhängig davon muss er aber auch noch ein Versprechen einlösen, das er seinem Freund, der im Wohnwagen gestorben ist, gegeben hat.

Timo Leibig schreibt in seinem Verlagsdebüt (Penhaligon / Randomhouse) über eine erschreckende Zukunftsvision, in der jedoch auch das Gute seinen Platz findet. Ich kann mir so etwas sehr gut vorstellen. Heutzutage muss man ja mit allem rechnen!

Die Sprache des Autors ist absolut verständlich, das Buch hyperspannend und für die entsprechenden Überraschungsmomente ist auch gesorgt. 

Das Cover passt absolut gut zum Inhalt, zumal auch schon unter NANOS angegeben ist "Sie bestimmen, was du denkst". Dies in Verbindung mit der grün-weißen Spirale würde mich auf jeden Fall zum Kauf animieren.

Das Buch erschien am 24. September 2018. Es ist als eBook und broschiert erhältlich.

Ule Hansen - Blutbuche

Nervenaufreibende Täterjagd


Emma Carow ist Fallanalystin bei der OFA (Operative Fallanalyse) des Landeskriminalamts. Sie hat ein lange zurückliegendes Trauma noch nicht ganz verarbeitet. Dann sitzt sie in einer TV-Show ihrem Vergewaltiger, der jetzt seine Strafe abgesessen hat, gegenüber. Sie stellt fest, sie hat wohl alles überwunden. Aber ist das tatsächlich so? 

Zurück auf der Arbeit wird sie mit einem abscheulichen Fall betraut. Mehrere Frauen sind verschwunden. Von einigen findet man Körperteile, die furchtbar zugerichtet sind - ich äußere mich bewusst nicht näher dazu, um nicht zuviel zu verraten.
Bei der Polizei trudeln Briefe der vermissten Frauen ein. Was bezweckt der Täter damit? Die Spuren führen nach Polen, man muss zusammenarbeiten. Das klappt nicht gut.

Gott sei Dank hat Emma einen guten Freund, bei dem sie Kraft auftanken kann, der ihr bei ihren Alpträumen hilft und sie psychisch aufbaut. Es ist ein dermaßen verzwickter Fall, mittlerweile ist klar, dass der Täter die entführten Frauen, die wohl aus dem Milieu stammen, bestialisch quält und genauso töten wird. Emma und die Kollegen des LKA müssen unbedingt schnell den Täter fassen. Emma wird unvorsichtig.

Das Autorenduo Astrid Ule und Eric T. Hansen hat einen spannungsgeladenen Roman mit einigen guten Überraschungsmomenten geschrieben. Es ist der zweite Fall mit Emma Hansen. Der Roman lässt sich aber super lesen, ohne den ersten zu kennen. Das Buch lässt sich kaum aus der Hand legen. Es hat 90 Kapitel auf 478 Seiten, wobei das letzte Kapitel hoffen lässt, dass es einen weiteren Roman mit Emma Carow geben wird.

Haylen Beck - Ohne Spur

Ein Alptraum - atemberaubender Psychothriller


Audra flieht, unterstützt mit der psychischen Hilfe zweier Frauen, vor ihrem Ehemann, der sie auf eine heimtückische Art und Weise körperlich und seelisch missbraucht. Sie packt alles Notwendige für sich und ihre kleinen Kinder Sean und Louise in das Auto, um nach San Diego, Kalifornien, ans andere Ende der USA zu einer Freundin zu flüchten. Aber die Familie ihres Mannes ist reich, sie werden sicher alles in Bewegung setzen, um sie und die Kinder zu finden.

Mitten in der Wüste ist es soweit. Sie wird von einem Polizeiwagen gestoppt. Der Sheriff fordert sie auf, auszusteigen, der Wagen sei überladen. Er bietet ihr an, einen Teil der Ladung zu übernehmen und öffnet, ohne sie zu fragen, den Kofferraum. Dort zieht er einen Beutel mit Marihuana aus dem Gepäck. Audra weiß nicht, wie dieser dorthin gekommen ist. Der Sheriff verhaftet sie und ruft eine Mitarbeiterin, damit diese sich um die Kinder kümmert.



Im Sheriffsoffice behauptet der Beamte auf einmal, es seien keine Kinder im Auto gewesen. Fortan wird Audra wie eine Mörderin behandelt. Das FBI schaltet sich ein und will nur herausbekommen, wohin sie diese verbracht hat. Lediglich ein Chinese, dessen Frau einmal das gleiche passiert ist, kommt an diesen Ort, um Audra zur Seite zu stehen.

Haylen Beck hat die Wüste Arizonas so geschildert, dass man sich vorstellen kann, man sei auch schon dort gewesen. Diese unerträgliche Hitze, die den Klimaanlagen in den Autos und Häusern das Letzte abverlangt! Die unendliche Weite und Einsamkeit in dem kleinen Städtchen Silver Water, und mitten drin Audra, die nicht nur alleine ist mit der Aussicht auf eine katastrophale Anklage wegen Mordes, sondern auch mit einer nicht nachzuvollziehenden Sorge um ihre Kinder. Diese Frau zieht aus dieser Sorge eine unmenschliche Kraft, um die man sie beneiden möchte. Aber sie kämpft gegen das absolut Böse  ...

Das Buch umfasst 60 Kapitel, die bei 384 Seiten erfreulicherweise nicht zu lang sind. Die Gedanken des Sheriffs, seines Deputies, die die Kinder weggebracht hat, der mutigen Kinder und natürlich der Mutter und des Chinesen fließen in die einzelnen Kapitel in. Der Leser weiß, weshalb alles so ist, wie es ist, nur leider kann er nicht eingreifen! Es ist sehr unterhaltsam und mit ansteigender Spannung geschrieben. Kaum hatte ich ein Kapitel aus und wollte das Buch weglegen, dachte ich mir, na, ein weiteres Kapitel kannst du noch dazunehmen. 

Ich bin festüberzeugt, dass es so etwas wie das Darknet gibt, auch in der beschriebenen Form. Wie sonst sollten diese furchtbaren Verbrechen möglich sein? Ich persönlich müsste mich sehr zurücknehmen, um nicht bei diesen Menschen selbst Hand anzulegen, aber das tut hier wohl nichts zur Sache.

Der Autor schafft es, die Spannung vom ersten bis zum letzten Wort zu steigern, er hat eine wunderbare Art zu schreiben und zu beschreiben. Der dtv Belletristik hat ein Gutes getan, dieses Buch zu verlegen, das am 21. September 2018 veröffentlicht wurde. 

Das Cover, das die Hitze Arizonas, das Alleingelassensein und die Hilflosigkeit dieser Mutter zeigt, regt unbedingt zum Kauf des Buches an

Das Buch wurde in deutsch übersetzt von Wolfram Ströle. Es ist erhältlich als Taschenbuch, eBook und Hörbuch. 

Mark Roderick - POST MORTEM (4) Spur der Angst

Toller Spannungsaufbau


Mit "Spur der Angst" hat uns Mark Roderick bereits den 4. Roman der Reihe POST MORTEM geschrieben. Es ist wieder ein Thriller, bei dem es an nichts fehlt, kriminelle Energien, kriminalistische Finessen und atemlose Spannung eingeschlossen. Dieses Buch kann aber auch von denen gelesen werden, die die vorherigen nicht kennen.

Einer jungen Frau fehlt ihre Vergangenheit, das heißt, die Zeit bis zu ihrem achten Lebensjahr. Sie wurde bei Eltern groß, die nicht die ihren sind. Nun ist sie als skrupellose Geldeintreiberin tätig, als sie plötzlich auf ihre Vergangenheit angesprochen wird. Sie wird sofort tätig und tatsächlich, der Tipp war korrekt. Sie findet eine Spur und einen Mann, der sie damals in Sicherheit hat bringen lassen. Sie erfährt, dass sie unter einem Gen-Defekt leidet und es gibt ein Bild. Das Bild wird der Startschuss für die Suche nach Linas Vergangenheit.

Der Mann, der sie in Sicherheit hat bringen lassen, bringt sie mit Avram Kuyper zusammen, der allerdings ist ein Profi-Killer. Gut für ihn ist, dass auch Lina durch ihre Tätigkeit im Hamburger Milieu mit fast allen Wassern gewaschen ist. Sie rettet ihn aus einer brenzligen Lage, aus der er sich nicht selbst hätte befreien können. 

Gemeinsam mit der Interpol-Agentin Emilia Ness, die ebenfalls noch einen alten Fall innerlich verarbeitet, kommen sie einem Netzwerk einflussreicher Politiker und Wirtschaftsbossen auf die Spur, die vor nichts haltmachen. 

Das Buch fängt recht leise an und nimmt erst langsam Fahrt auf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass den "neuen" Lesern die Interpol-Agentin Emilia und der Profi-Killer Avram aus den vorherigen POST MORTEM-Bänden zunächst vorgestellt werden. Doch dann geht es rasant weiter. Grauenhafte Dinge geschehen.

Ich verrate hier bewusst nicht mehr vom Inhalt des Buches, lediglich, dass es Abgründe (auf)zeigt, die es sicherlich heutzutage noch geben kann.

Mark Roderick hat uns, so glaube ich, schon einen Hinweis gegeben, dass es noch einen weiteren Band geben wird. Nach dem abrupten Ende bleibt doch noch so einiges offen, dass wir gerne über die Protagonisten erfahren möchten.

Der Spiegel Bestseller-Autor Mark Roderick hat uns wieder einen tollen Roman geschrieben; der Titel "Spur der Angst" hat seine für das Buch reale Bewandtnis.

Es wurde im Mai 2018 bei Fischerverlage veröffentlicht und ist als Taschenbuch, Hörbuch und eBook erhältlich.

Cornelia Rückriegel - Ungarns dunkle Seite - von Immobilienverkäufen und anderen Vorkommnissen

Ein guter Ratgeber für Auswanderungswillige nach Ungarn Mit dem Buch "Ungarns dunkle Seite - von Immobilienverkäufen und anderen Vo...