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Silke Neumayer - Mit Mann ist auch nicht ohne

Braucht Frau einen Mann?

Braucht man einen Mann überhaupt, außer als Gesprächsstoff unter Frauen, Mädchen, Teenagern? Die Autorin schreibt in der Ich-Form als Mutter einer Tochter, die gerade mal als Teenager gelten kann. Sie schreibt über alle Nöte dieses Mädchens, Liebeskummer, Verletztsein, Liebe. 

Aber sie schreibt auch darüber, dass sie selbst in diesem Alter ja auch schon alles durchgemacht hat und dass das alles wohl noch nicht so lange her ist. Sie kennt alle Ausflüchte eines jungen Mädchens, auch wenn diese Tochter ihre Mutter oft genug als total peinlich empfindet, Silke Neumayer findet dafür noch viel schönere Worte.

Das Leben mit einem Ehemann, Lebensabschnittsgefährten - oder auch mit einem ganz neuen Neumayer'schen Begriff für diesen Mann - hat auch so seine besonderen Seiten. Und erst Recht ihre Beobachtungen bei ihren gleichaltrigen Freunden und Bekannten regen schon zum Schmunzeln an. Sie hält nicht zurück mit den Beschreibungen der Fehler und Kompromisslösungen, die Frauen in jeder Altersklasse, begonnen im Kindergartenalter bis ins hohe Alter machen können. 

Und so manches Mal kann man sich wirklich die Frage stellen: Fraucht Frau eigentlich wirklich einen Mann? Die Antwort ist: Ja! Es wäre sonst doch wirklich zu langweilig in unserem Leben. Und außerdem erlebt man noch so viele Überraschungen, die man sonst niemals erlebt hätte!

Silke Neumayer hat mit diesem Buch tatsächlich einen "Liebes-Lesestoff für die fortgeschrittene Frau", wie auf dem Buchcover schon angekündigt, mit spritzigem Wortwitz geschrieben. Es macht einen Heidenspaß, das Buch zu lesen. Man erkennt doch vieles wieder, auch wenn man keine Tochter hat, aber man war doch selbst mal jung; außerdem schreibt sie ja auch nicht nur über die Tochter, sondern auch über die Protagonistin selbst. Ich kann das Buch voll und ganz weiterempfehlen und weiß persönlich auch schon, wem ich es schenken werde.

Das Cover mit dem sich aufplusternden Hahn und der in sich ruhenden Henne ist absolut getroffen. Es macht neugierig. Der Cover-Innendeckel ist geschmückt mit Wortblasen, die nun letztendlich auffordern, das Buch zu kaufen.

Silke Neumayer wurde mit dem Buch "Ich hatte mich jünger in Erinnerung" Spiegel-Bestseller-Autorin, ist Jahrgang 1962 und alleinerziehende Mutter einer Tochter.

Genki Kawamura - Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Was ist wichtig im Leben?

Dieser Frage geht Genki Kawamura in seinem Roman mit dem neugierig machenden Titel nach. 

Ein Briefträger erfährt von seinem Arzt, dass er wegen eines Hirntumors nur noch ganz kurz zu leben hat. Er kann überhaupt nicht mit der Diagnose umgehen, hört dem Arzt nicht weiter zu und kommt irgendwie wieder bei sich zuhause an. Hier erwartet ihn in seiner Verzweiflung seine Katze Weißkohl und - der Teufel. Dieser macht ihm ein perfides Angebot. Er kann sein Leben um einen Tag verlängern, wenn er dafür sorgt, dass etwas von der Welt verschwindet. Was das ist, schlägt der Teufel vor. Er muss nur zustimmen. Es beginnt ganz einfach.... 


Genki Kawamura hat das Thema" was ist Überfluss, was ist wirklich notwendig und - wie furchtbar wichtig bin ich selbst" mutig angefasst. Nach jedem verlängerten Tag geht der Protagonist in sich und ist verzweifelt. Er denkt oft an die verpassten Gelegenheiten in der Vergangenheit. Aber er nutzt auch die erkaufte Zeit, um noch etwas gutzumachen. 

Der Autor hat den Roman in sieben Abschnitte (Tage) gegliedert und sehr flüssig in der Ich-Form geschrieben. Der Leser erlebt alles hautnah mit, alle Gedanken und Taten, als sei er der totkranke Briefträger.

Ich mochte den immer wiederkehrenden Teufel, aber als Katzenfreund war ich auch rasch vernarrt in Weißkohl.

Das Buch wurde aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe und erscheint im Verlag C. Bertelsmann

Anna Neunsiegel - Schneerosen Märchen

Ein Märchen für Jung und Alt

Haben Sie einen dichten Wald in der Nähe? Dann stellen Sie sich vor, Sie verirren sich darin. Sie wissen gar keinen Ausweg mehr und sind schon kurz davor, aufzugeben und sich vom Rest Ihres Lebens zu verabschieden. Dies passierte dem Knaben Geowulf weit ab von seinem Zuhause. Er ließ sich an einer Quelle nieder und trank daraus. 

Sofort erschien ihm ein kleines altes Männlein und klärte ihn auf, dass er im Zauberwald sei und sich verbotener Weise von einer Zauberquelle, deren Herr das Männlein sei, von der Quelle gelabt hatte. Es gäbe nur eine Lösung, der Herr der Quellen zeige ihm den Weg zurück zu den Menschen, er selbst müsse Gutes tun und - sein erstgeborenes Kind müsse genau an dieser Stelle zur Welt kommen und im Zauberwald verbleiben. Geowulf stimmte rasch zu, hatte er doch zu viel Angst vor diesem Wesen.

Anna Neunsiegel hat sich wieder ein Märchen ausgedacht und auf wundersame Weise erzählt. Sie hat mit der Sprache gespielt, Märchenwesen leben lassen und wir, ob jung, ob alt, sind gefesselt von dieser Geschichte. Sie lässt Märchen- und Fantasy-Gestalten auferstehen und teilnehmen in diesem Roman.

Liebe Anna Neunsiegel, weiter so. Es ist sehr schön, mal so ein ganz anderes Märchen zu lesen.

Sebastian Fitzek - Flugangst 7A

Mehr Angst ging nicht


Sebastian Fitzek hat es auf seine bekannte Weise wieder einmal geschafft, dass ich sein knapp 400 Seiten umfassendes Buch an einem guten Tag ausgelesen habe. Ich habe es verschlungen von der ersten bis zur letzten Seite. Ja, tatsächlich bis zur letzten, denn bei Fitzek lohnt es sich ja auch, die anschließenden Anmerkungen und Danksagungen zu lesen. Sie sind so ganz anders als bei anderen Schriftstellern. Ich kann mir immer so richtig vorstellen, dass er mir gegenüber sitzt und mir das alles erzählt. Er ist ein Autor zum Anfassen. Dafür spricht auch, dass er wieder seine email-Adresse im Buch hinterlassen hat. Und aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass er auch antwortet.

Nun aber zum Buch: Seit am 24.03.2015 die Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt ist und es keine Überlebenden gab, hat die EU psychologische Tests bzw. Kontrollen für Piloten gefordert. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. 

Mats Krüger ist ein Psychiater, er leidet unter starker Flugangst und hat extra ein Seminar besucht, um diese in den Griff zu bekommen, um seiner Tochter, die ihn nie mehr wieder sehen wollte, nach der Geburt ihres Babies beizustehen. 

Nun ist es ein langer Flug von Argentinien nach Berlin, doch langweilig wird ihm nicht werden. Gleich nach dem Start erhält er einen Anruf. Seine Tochter, die kurz vor der Entbindung steht, wurde entführt. Er soll jetzt einen ehemaligen Patienten, der sich mit ihm an Board befindet und den er von mörderischen Gewaltphantasien befreit hat, wieder in den damaligen Zustand zurückbringen, damit dieser die Maschine mit ihren über 600 Fluggästen zum Absturz bringt. 
Die Polizei darf er natürlich nicht einweihen, das heißt, es gibt wohl keine Möglichkeit, nach seiner Tochter zu suchen. Er versucht als erstes, den ehemaligen Patienten ausfindig zu machen. Gleichzeitig ruft er eine ehemalige Freundin an und informiert sie. Er weiß nicht ob und wie sie ihm helfen könnte, zumal es ihr Hochzeitstag ist. Mats ist so hilflos und wir Leser müssen miterleben, was sich in der Zeit in Deutschland abspielt. 

Sebastian Fitzek hat es geschafft, einen Psychothriller der Extraklasse zu schreiben. Ich kann ihn allen empfehlen, die Spannung pur erleben möchten. Das Buch mag einige Themen zu viel angesprochen haben, was die Spannung keineswegs mindert. Der Roman ist und bleibt schlüssig.

Adriana Popescu - Schöne Grüße vom Mond

Ein fröhliches Cover, das die See zeigt, hier wohl die Ostsee, ausgelassene Menschen - das fordert dazu auf, die kleine, nur 26 Seiten umfassende Geschichte zu lesen.

Die 16-jährigen Fritzi und Isa chillen bei Fritzi zuhause und planen ihren ersten gemeinsamen Urlaub ohne Eltern. Das ist auch dringend notwendig, sind Fritzis Eltern doch nicht zu überhören.

Die beiden Mädchen sind beste Freundinnen und unzertrennlich. Fritzi kann sich ein Leben ohne Isa nicht vorstellen. Der Urlaub wird das größte überhaupt werden. Doch das Leben hat es anders vorgesehen.

Adriana Popescu hat eine wunderbare Art, für junge Menschen zu schreiben.  Ihr Stil bringt ihr bestimmt viele Fans. "Schönen Gruß vom Mond" ist eine exklusive Zusatz-Geschichte, als Prequel für den Roman "Mein Sommer auf dem Mond" geschrieben. Dieser Jugendroman handelt von der wunderbaren Freundschaft der beiden Mädchen Isa und Fritzi.

Sobald ich wieder ein Jugendbuch zu verschenken habe, weiß ich, von wem es sein wird. "Schöne Grüße vom Mond" und "Mein Sommer auf dem Mond" ist für junge Menschen ab 14 Jahren.

Katie Marsh - Die Liebe ist ein schlechter Verlierer

Ernste Thematik in lockerem Ton 


Das Cover ist heiter, ich erkenne eine Sonne am gebrochenen blauen Himmel. Und genauso ist es ja auch im Leben, es gibt nicht nur Sonnenschein und blauen Himmel.

Hannah und Tom haben sich aneinander herangetastet und sich ineinander verliebt. Aus dem Verliebtsein wurde eine echte tiefe Liebe. Hannah wurde Lehrerin und Tom Anwalt. Aber das normale Leben mit seinen Verrücktheiten haben sie erst einmal nicht verlernt. Bis sie es verlernten, miteinander offen zu reden, wie sie es immer getan haben. Tom arbeitete viel, oft bis tief in die Nacht und hatte keine Zeit mehr für seine Han, von der er sich vernachlässigt fühlte. Er wurde ungeduldig und unfair ihr gegenüber. Sie konnte ihm nichts mehr recht machen.

Hannah hatte Probleme mit ihrer Arbeit, aber ihr Freund und Ehepartner, mit dem sie immer über alles reden konnte, war nie da, und wenn, dann war er ungerecht und wütend. Sie hatte es satt und eines stand fest: So würde sie nicht weiter machen. Sie würde sich heute noch  von ihm trennen, zu ihrer Freundin ziehen und sie wußte auch schon, wo sie ab Sommer des Jahres sein würde.

Doch das Leben hat etwas anderes vor. Tom bekam nur 32-jährig einen Schlaganfall. Nun mag es ja Menschen geben, denen so etwas egal ist, aber Hannah war es nicht egal und sie stand ihm bei. Bekamen sie noch einmal eine Chance? War nicht doch schon zuviel verstört? 

Katie Marsh hat sich ein schweres Thema vorgenommen, Schlaganfall in der Partnerschaft. Sie schafft es, dass wir uns wie die  Protagonisten fühlen. Sie zeigt uns ebenso auf, wie wichtig es ist, in einer Partnerschaft früh genug zu sagen: Stopp, jetzt müssen wir reden. Nicht später, nicht morgen. In der Partnerschaft stehen Gefühle füreinander an erster Stelle, dann schafft man alles andere auch. 

Die Aufteilung des Buches in Abschnitte, die in der Gegenwart spielen und in Monats- und/oder Jahresangaben für die frühere Vergangenheit, finde ich toll. Allerdings hab ich mich später gefragt, ob nicht die Monats/Jahresangaben sich nicht auch auf einen bestimmten "Nachlass" beziehen. Dazu verrate ich aber nichts.

Die Autorin führt eine beschwingte Feder und man kann das Buch in einem durch lesen, weil man wissen möchte, wie es weitergeht. 

Dies ist der Debütroman von Katie Marsh, die früher im Gesundheitswesen arbeitete und daher einiges über Schlaganfallpatienten weiß. Von ihr selbst könnte ich mir vorstellen, dass sie ähnlich verrückt ist wie Hannah und Tom, denn sonst kann einem sowas kaum einfallen. Diese Beurteilung soll keinesfalls anmaßend sein.

Übersetzt aus dem Englischen von Angelika Naujokat. Das Buch erschien als Taschenbuchausgabe im Februar 2018 in der Verlagsgruppe Random House (Diana Verlag).

ISBN 978-3-453-35902-4


Anne Enright - Das Familientreffen

Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht


Veronicas Lieblingsbruder Liam, der das schwarze Schaf der Familie war, ist tot; er hat sich im Meer ertränkt. Sie waren zwei von 12 Kindern, bei jeder Niederkunft verbrachten sie mehrere Wochen bei ihrer Großmutter. 

Veronika übernimmt die Identifizierung und alle notwendigen behördlichen Gänge, sucht den Sarg aus und sorgt für die Überführung. Sie informiert ihre Mutter (die sich ihren Namen nie gemerkt hat) und ihre Geschwister. Und während all dieser Zeit und der Monate nach der Beerdigung versucht sie zu ergründen, weshalb es so weit kommen musste. 

Sie erinnert sich den Sommer, als sie acht oder neun war. Sie waren gerne bei den Großeltern, doch es ist ihr erinnerlich, dass es wahrscheinlich dort zu Vorkommnissen kam, aus denen sie folgern kann, weshalb sie und ihre Geschwister nicht so sind wie andere. Nebenbei hat sie auch noch ihre eigene Familie, zwei Kinder und ihren Mann Tom, ich frage mich, ob ihre ehelichen Probleme nicht auch daher rühren. Ein anderer Leser mag das anders beurteilen.

Anne Enright hat ein ganz heißes Eisen angefasst und schreibt über eine total verkorkste irische Großfamlie, die wohl alles durchmachen musste. Der Roman beginnt leise, doch im Weiterlesen beginnt man, sich zu fragen, wo das wohl hinführt. Eine ganz große Autorin hat sich hier die Ehre gegeben. 

Übersetzt hat das Buch Hans-Christian Oeser, es erschien bei PENGUIN VERLAG

Silke Neumayer - Mit Mann ist auch nicht ohne

Braucht Frau einen Mann? Braucht man einen Mann überhaupt, außer als Gesprächsstoff unter Frauen, Mädchen, Teenagern? Die Autorin schreib...