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Anja Hansen - Rabenflug

Weiter so, toll geschrieben!!


Das Cover zeigt einen Raben, der sich durch den wolkigen Himmel gen Mond erhebt. Das sieht schon mal gruselig aus. Deshalb habe ich auch einen gruseligen Roman erwartet, doch dem ist nicht so.

Liara versteht die Welt nicht mehr. Sie ist tot. Aber sie ist noch auf der Welt, sie kann alles sehen. Dennoch ist sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Es gibt mehrere, die so sind wie sie. Es tut gut, sich regelmäßig mit denen zu treffen. Allerdings hat sie im Gegensatz zu den anderen einen ständigen Begleiter. Ein Rabe ist auf Schritt und Tritt bei ihr. Natürlich fliegt er im Gegensatz zu ihr. Es ist alles ziemlich unverständlich für sie, doch sie kommt schon klar damit.

Anja Hansen hat eine kleine Geschichte geschrieben, die ich dem Genre Fantasy zuordnen möchte. Aber wer weiß?? Vielleicht ist das ja alles so. 

Die Sprache der Protagonistin ist die eines Teenagers. Liara war ja auch gerade erst 17 Jahre alt. Schnoddrig und auch fluchend, aber immer sympatisch kommt sie daher und erzählt uns von ausgelassenen Gelegenheiten ihres kurzen Lebens. 

Die Autorin philosophiert über den Tod, vergisst aber den Humor nicht. Nur wer diesen nicht hat, rümpft die Nase, weil dieses Thema mal ganz anders angegangen wurde. - 

Es war schade, dass das Büchlein so schnell ausgelesen war. Wie wäre es mit einem 2. Teil, Anja? Mich würde es freuen!

Katharina Herzog - Zwischen dir und mir das Meer

Wunderbar leichte Sommerlektüre mit Tiefgang


Das Cover ist hell, mit Blüten und Zitronen verziert. In der Mitte die Sonne. Man bekommt gleich Lust, das Buch zu öffnen und mit dem Lesen zu geginnen.

Lena und ihre jüngere Schwester sind auf Amrum geboren. Ihre italienische Mutter Mariella verloren sie ans Meer. Sie ging baden und kam nie wieder. Von ihrer Heimat hat sie nie etwas erzählt. Ihr Vater wurde immer wortkarger, er hatte seine Frau so sehr geliebt. Gott sei Dank haben die beiden noch ihre Oma, die sich liebevoll um sie kümmert. 


Lena arbeitet als Krankenschwester im Hospiz. Ihre Schwester Zoe ist immer schon Lenas ganzes Gegenteil. Wo Lena bodenständig ist, gondelt ihre Schwester ständig in der Weltgeschichte herum. Eines Tages kommt ein junger italienischer Mann zu ihrer Oma. Er sucht ihre Mutter. Als er erfährt, dass sie tot ist, reist er überstürzt ab; aber versehentlich hat er Fotos auf Amrum vergessen. Diese zeigen Mariella, Lenas und Zoes Mutter. Nun wollen die Schwestern mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter erfahren und machen sich auf die Reise an die Amalfiküste und nach Capri.

Die Geschichte wird aus Mariellas Sicht ab 1972 und aus Lenas Sicht im Jetzt erzählt. Es passiert viel auf ihrer Reise. Wer weiß, ob sie finden, was sie suchen. Dafür muss man das Buch lesen.

Es gibt so einige vorhersehbare Wendungen - warum auch nicht. Aber es gibt auch große Überraschungen! Herzerfrischend mit Tiefgang!

Einen wunderschönen Sommerroman hat uns die Autorin Katharina Herzog geschrieben. Fesselnd und ergreifend finde ich ihn, schon weil der Leser wissen möchte, warum alles so kam, wie es gekommen ist. Die Charaktere der Protagonisten sind wunderbar herausgearbeitet. Ich meine, sie jeweils persönlich zu kennen.

Das Buch erscheint bei Rowohlt Polaris. Es ist als Taschenbuch, Paperback und E-Book erhältlich.

L.C. Frey / Alex Pohl - So kalt dein Herz

Ein rasanter Thriller


Der Autor L. C. Frey hat mit dem Roman "So kalt dein Herz" ins Innerste getroffen.

Tim hat ein hochrenovierungspflichtiges (um nicht zu sagen, abbruchreifes) Haus gekauft. Dazu muss man sagen, er ist ein ganz toller Handwerker, der bisher selbständig war. Nun will er für das Projekt ein Jahr Pause einlegen und nur für sich arbeiten. Seine Lebensgefährtin lässt ihn daraufhin sitzen. Sie hält ihn für nicht ganz gescheit.


Dennoch bleibt Tim bei seinem Vorhaben. Was er nicht weiß, er hat bereits einen Untermieter. Es ist die junge heruntergekommene  Studentin Anna, die ein besonderes Ziel verfolgt. Sie ist sehr scheu. Er lässt sie bei sich wohnen und sie hilft ihm dafür bei seinen Arbeiten. Sie kommen sich näher. Als sie sich ihm öffnet, mag Tim gar nicht glauben, was sie ihm erzählt. Doch sie ist so überzeugend, dass er sich ihren Nachforschungen anschließt. - Seine ersten Schritte, um das Rätsel um Anna und ihre Verzweiflung zu lösen, bringen ihn soweit, dass er nicht mehr weß, wem er glauben darf. - 

L. C. Frey, alias Alex Pohl hat die Gabe, uns Leser durch diesen Psychothriller zu fesseln - vom hochdramatischen Prolog bis zum bitterböse Ende. Dass es auch heute noch so abgrundtief gemeine Menschen gibt, ist kaum glaubhaft, doch leider immer wieder im Tagesgeschehen feststellbar.

Der Thriller lässt sich gut lesen, man ist sehr schnell im Geschehen. Es gibt Situationen, in denen man schmunzeln, lachen und weinen kann. Und es gibt etwas, das uns das kalte Grausen lehrt. Dieses Buch verdient die höchste Beurteilung.

Michael Rodewald - Golems Rückkehr

"Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los." (v. Goethe 1797 - Zauberlehrling)

Beim Cover sehen wir metallic-blau auf schwarzem Grund ein Gehirn - oder? Es sieht so aus, doch andererseits scheint es etwas künstliches zu sein.

Golems Rückkehr ist der Nachfolgeband von Michael Rodewalds Thriller "Die Bitcoin-Verschwörung". Dieser neue Thriller ist jedoch unabhängig vom ersten Band zu lesen. Was man unbedingt wissen muss, wird dem Leser in kurzer Zeit mitgeteilt. 
Die Künstliche Intelligenz Golem konnte in letzter Sekunde abgestellt und zerstört werden (sie wollte die Macht über die ganze Welt) und zwar durch Hilfe von Helmut Schwarz, der nur mal so "zum Spaß" etwas an einem anderen Computer herumexperimentierte und sein Gehirn mit diesem verband. Damit beginnt der Thriller, denn die Regierungen zwangsrekrutieren ihn und bringen ihn nach Frankreich. Die Europäschen Staaten, die Chinesen, Russen und Amerikaner wollen jetzt alle an einem Strang ziehen. 


Hier soll nun als erstes festgestellt werden, woran es lag, dass die Künstliche Intelligenz sich so selbständig machen konnte. Außerdem muss erkundet werden, wie man mehr menschliche Gehirne uploaden kann, etwas für ihre Gefühle uploadet, damit sie sich nicht so furchtbar einsam fühlen und natürlich ist dies alles möglich über Quantencomputer. Jede Menge Gelder werden zur Verfügung gestellt, doch die Länder spielen nicht fair. Wie sollte es auch anders sein. Doch was keiner weiß, es gibt auch Firmen, die an diesen Fragestellungen arbeiten - und es gibt überall Größenwahnsinnige.

Die Hauptprotagonisten finde ich sämtlich sehr sympatisch, da kann ich niemanden besonders herausnehmen. Natürlich habe ich als Deutsche immer wieder auf den Nerd Helmut Schwarz gewartet, der ja auch in seiner Freizeit am PC sitzt, ansonsten ist er mit seiner neuen Arbeit voll in seinem Element.

Plötzlich meldet sich GOLEM zurück. Ist diese KI immer noch dieselbe, zerstörerische, die sie vorher war?

Das Buch von Michael Rodewald lässt sich sehr gut lesen, insbesondere ist es etwas für SF-Fans, doch ich denke, nicht nur für sie. Die Zeit ist vielleicht weiter, als wir glauben! Vielleicht braucht die Menschheit, um zu überleben, wirklich eine Künstliche Intelligenz.

Ich kann mir dieses Buch, da es eher wortprotokollartig geschrieben ist, sehr gut als Hörspiel vorstellen.

Emily Gunnis - Das Haus der Verlassenen

Erschütternde Einsichten


Das Cover zeigt ein hohes Tor, dahinter einen herrschaftlichen Park und ein großes Haus, das sowohl ein Schloss als auch ein Kloster sein kann.

Mit ihrem Roman "Das Haus der Verlassenen" zeigt uns Emily Gunnis wie mit ledigen Müttern in den 50ern und 60ern in entsprechenden Mutter-Kind-Heimen und Armenhäusern umgegangen werden konnte. Sicherlich sind nicht alle Heime so wie das von Nonnen geführte St. Margaret's (ein fiktiver, von der Autorin erfundener Ort), doch gab es in Irland und auch in England noch genug Heime, die wie im 19. Jahrhundert geführt wurden. 

Über die Magdalene Laundries schreibt Wikipedia: 
"Irische Magdalene Wäscherei, Die Magdalene Laundries in Irland, auch Magdalenen- Anstalten genannt, waren Haftanstalten, die normalerweise vom römisch-katholischen Orden verwaltet wurden und vom 18. bis zum späten 20. Jahrhundert betrieben wurden. Sie wurden angeblich zur Unterbringung gefallener Frauen" geführt, von denen schätzungsweise 30.000 in diesen Einrichtungen in Irland eingesperrt waren. 1993 wurde auf dem Klostergelände einer der Wäschereien ein Massengrab mit 155 Leichen entdeckt. Dies führte zu Medienoffenbarungen über die Operationen der geheimen Institutionen. Im Jahr 2013 erging eine förmliche staatliche Entschuldigung, und die irische Regierung richtete ein Entschädigungssystem für Überlebende in Höhe von 50 Millionen Pfund Sterling ein. Die religiösen Orden, die die Wäschereien betrieben haben, haben Forderungen von Aktivisten abgelehnt, dass sie finanziell zu diesem Programm beitragen. ..."

Es ist erschütternd, wie abhängig diese Frauen von den Nonnen waren. Selbst die frisch geborenen Kinder nahm man ihnen weg. Die Unterbringung mussten sie abarbeiten wie Sklaven, wenn die Familie nicht genug Geld hatte oder nicht zahlen wollte. 


In dem Roman geht es um das St. Margaret's Heim, in das die unbedarfte Ivy 1956 von ihrem Onkel geschickt wird Dies geschieht mit Unterstützung eines Priesters und des Hausarztes. Sie hatte sich in einen Mitschüler verliebt und wurde schwanger. Leider will dieser aber wohl nichts mehr von ihr wissen, was sie erst merkt, als er auf ihre Briefe aus dem Heim nicht antwortet. Sie lernt das Leben von der härtesten Seite kennen, darf nicht sprechen und wenn den Nonnen etwas nicht passt, gibt es Hiebe. Die schlimmste Strafe erfährt sie, als sie ihr Baby nicht zur Adoption freigeben will.

Eines Tages lernt sie die 6-jährige Elvira kennen und versucht, sich so gut wie möglich um sie zu kümmern. Noch weiß sie nicht, weshalb ein Kind dieses Alters sich in dem Heim aufhält. Elvira muss genau soviel und hart arbeiten wie die anderen Frauen. Ivy liebt sie wie ihr eigenes Kind. Sie tut alles, um ihr eine Freundin zu sein. Nachdem sie festgestellt hat, was mit diesen Kindern, zu denen Elvira gehört, passiert, fasst sie einen Entschluß: Sie verhilft ihr zur Flucht, nachdem sie ihr mitgeteilt hat, dass sie draußen jemanden hat, an den sie sich wenden kann - Elviras eigene Zwillingsschwester.

Die junge, bisher erfolglose Journalistin Samantha, getrennt lebend und Mutter einer 4-jährigen Tochter, lebt 2017 bei ihrer Oma. Diese ist Witwe eines Antiquitätenhändlers und findet Briefe von Ivy. Samantha macht sich auf die Suche, nicht ahnend, in welches Wespennest sie sticht.

Emily Gunnis schlägt uns mit ihrem Buch in den Bann, sie hat eine wunderbare Art, die Vorkommnisse zu erzählen. Das Buch ist unterteilt in 46 Kapitel, die zwischen den Zeiten 1956 bis 2017 immer wieder hin- und herspringen. Dies bringt auch die Spannung auf die Spitze und wir erleben immer wieder neue Erkenntnisse, obwohl wir denken, schon alles zu wissen. 

Das Buch wird am 01.03.2019 beim Verlag Heyne veröffentlicht. Ich danke Jellybooks und dem Sponsor Heyne, dass ich es bereits vorher lesen durfte.

John Katzenbach - Der Verfolger

Wer jagt wen?


Das Cover des Buches "Der Verfolger" zeigt auf schwarzem Grund eine Hand, die eine Uhr hält. Diese zeigt die Uhrzeit 5 vor 12. Sehr symbolträchtig.

Bei Psychiater Dr. Starks taucht ein totgeglaubter Killer auf. Er hat ihm offenbar tatsächlich früher einmal das Leben gerettet, auch wenn das nicht unbedingt in seiner Absicht lag. Aber Dr. Starks kann nun mal nicht mit gleicher Münze zurückzahlen.

Auf jeden Fall ist Frederick Starks nunmehr seit fünf Jahren unter falschem Namen auf der Flucht vor diesem Killer und seinen nicht weniger gefährlichen Geschwistern. Er hat sich ein neues Leben unter diesem anderem Namen aufgebaut und praktiziert auch wieder. Aber das Versteckspiel hat nichts genutzt. Er kommt eines Tages in seine Praxis und dort erwartet ihn eben dieser Totgeglaubte.

Er verlangt unter vorgehaltener Waffe, dass er ihm und seiner Familie hilft. Seine Schwester und sein Bruder werden bedroht. Der Psychiater soll den Unbekannten aufspüren - oder aber sofort sterben. Einziger Anhaltspunkt ist eine DVD, auf der zu sehen ist, wie ein Unbekannter sich im Haus seines Bruders, eines Anwalts, aufhält. Wem hat der Anwalt zu sehr auf die Füße getreten, dass derjenige vor einem Mord nicht Halt machen möchte?

Dieser Roman ist die Fortsetzung des Bestsellers "Der Patient" von John Katzenbach. Er ist erwartetermaßen spannend bis zum Nerven zerreißen. Immer wieder stellt sich heraus, dass alles anders ist, als gedacht. Besonders schlimm wird es, als es nicht mehr nur um Starks Leben geht. Mit einem furiosen Finale endet der Roman um Rumpelstilzen (Mr. R.) und Ricky Starks.

Ich denke, für Leser, die "Der Patient" nicht gelesen haben, ist die Handlung erst mal verwirrend. Und für diejenigen, die den vorhergehenden Band kennen, ist sie etwas langatmig, da für die neuen Leser dann doch erst mal einiges erklärt wird. Gut finde ich, dass die Gedanken von Ricky kursiv gedruckt sind.

Der Roman des Spiegel Bestseller-Autors erscheint seit Dezember 2018 bei DROEMER. Er wurde aus dem amerikanischen übersetzt von Anke und Eberhard Kreutzer.

Janette John - Wenn Hoffnung stirbt

Morde nach Vorankündigung


In Konstanz am Bodensee geht ein Mörder um. Schlimmer noch: er kündigt seine Morde in den sozialen Netzwerken an. Zwar nennt er nicht die Opfer, aber um die Bewohner von Konstanz in Angst und Schrecken zu versetzen, reicht es. Denn er lässt den Ankündigungen Taten folgen. Erst bringt er eine junge Frau um und gleich drauf folgt deren Mutter, eine Stadträtin. Eine Frage bleibt: wie kam der Mörder beide Male in Haus? Seltsamerweise trauert der Vater und Witwer mehr um seine Frau als um seine Tochter. 

Die Konstanzer Kriminalisten um Nadine Andres sind wie in den anderen Bodensee-Krimis von Janette John die Herren Rudolf Hufnagel, Tilo Hübner und ihr Chef Daniel Selzer.

Sie tappen vollkommen im Dunkeln. Dann gibt es einen weiteren Mord, der ebenfalls im Internet vorhergesagt wurde. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Einzige Verbindung außer der jeweiligen Vorhersagen scheinen seltsame Zeichnungen an den Leichen zu sein. 

Janette John hat in ihrer bekannt leicht zu lesenden Art wieder einen spannenden und dennoch ruhigen Krimi vom schönen Bodensee geschrieben. Die Autorin beschreibt ihre Protagonisten so gut, dass man sich auch als neuer Leser gut in diese hineinversetzen können, ohne ihre vorangegangenen Bodenseeromane gelesen zu haben. Natürlich wird die Kriminalpolizei auch dieses Mal wieder von den beiden reizenden alten Damen aus dem Seniorenstift unterstützt. 

Die von der Autorin verwendeten Zitate von Hesse sind treffend, bringen aber die Polizei in Verwirrung. 

Janette John zeigt auf, was passieren kann, wenn Hoffnung stirbt. Ich denke, darauf beruht auch ihr Titel für dieses Buch.

Auch der 8. Bodenseekrimi - "Wenn Hoffnung stirbt" - ist abgeschlossen und einzeln lesbar. Er macht aber sicherlich neugierig auf die anderen Folgen, die nicht minder spannend sind.  

Janette John kümmert sich verlagsunabhängig selbst um das Marketing ihrer Bücher. Ich wünsche ihr weiterhin sehr viel Erfolg.

Anja Hansen - Rabenflug

Weiter so, toll geschrieben!! Das Cover zeigt einen Raben, der sich durch den wolkigen Himmel gen Mond erhebt. Das sieht schon mal gruse...